Ruhige Gipfel

Viele Urlauber, die zum ersten Mal nach Wales reisen, nehmen sich den Mount Snowdon vor – aus gutem Grund. Er ist mit 1.085 Metern der höchste Berg von Wales und England. Auf ihm hat schon das Expeditionsteam um Sir Edmund Hillary die Erstbesteigung des Mount Everest im Jahr 1953 trainiert. Doch gibt es alternativ über ein Dutzend weitere Berge im Snowdonia Nationalpark, die zwar weniger bekannt, aber nicht weniger reizvoll sind. In direkter Nachbarschaft zum Snowdon-Massiv liegen beispielsweise die Bergzüge Carneddau und Glyderau. In dieser wunderbar einsamen Gegend, in der man häufig nur Schafe und Ponys antrifft, liegt der markante Berg Tryfan, der bei einer Umfrage zum beliebtesten Gipfelziel der Briten gewählt wurde. Weiter südlich erstreckt sich der langgezogene Bergrücken des Cader Idris mit den malerischen Gebirgsseen Tal-y-Llyn und Llyn Cau, die der Region einen echten Hochgebirgscharakter verleihen. Der Cader Idris ist einer der populärsten Berge in Wales. Im östlichen Teil des Nationalparks liegt das Städtchen Bala, ein idealer Ort, um ins Abenteuer aufzubrechen. Von hier aus starten Wanderwege zu den Bergen Aran und Arenig. Auf den wenig bewanderten Gipfeln hat man die Natur ganz für sich allein.

Wandern auf dem Pony Path, Cader Idris, Nordwales
Luftbild von Cadair Idris, Nordwales

Cader Idris, Snowdonia, Nordwales

Einfache Bergtour

Auch Familien mit Kindern, Wanderer, die sich mal eine leichtere Strecke als Ziel stecken möchten oder auch Rollstuhlfahrer finden in Wales leichte Touren und können so eindrucksvolle Aussichten genießen. Da wäre beispielsweise der Rundweg Cwm Idwal, der auf einer relativ einfachen Strecke rund um den herrlichen Gebirgssee Llyn Idwal und dennoch durch dramatische Berglandschaften führt. Auch der Mawddach Trail bei Barmouth bietet sagenhaft tolle Ausblicke auf das Mündungsgebiet des Flusses Mawddach ins Meer und auf den Cader Idris. Für den Snowdonia Nationalpark gibt es eine umfangreiche Liste mit Wanderungen für alle Level.

Der Mawddach Trail führt über das Viadukt in Barmouth.

Der Mawddach Trail führt über das Viadukt in Barmouth

Der höchste Gipfel

Der Mount Snowdon – Yr Wyddfa auf Walisisch – ist der höchste Punkt in Wales. Er thront mit seinen 1.085 Metern auch über allen Gipfeln Englands. An klaren Tagen sind die Aussichten vom Gipfel aus erstaunlich und reichen manchmal sogar bis nach Pembrokeshire, in den englischen Peak District und übers Meer bis zur irischen Küste. Auf den Gipfel führen insesamt sechs Wanderrouten, deren Ausgangspunkte alle von den Snowdon Sherpa Bussen angefahren werden, Sie können also in die eine Richtung hoch und in die andere runter fahren. Seit 1896 fährt die Snowdon Mountain Railway, die einzige Zahnradbahn Großbritanniens, zwischen Frühjahr und Ende Oktober den Gipfel von Llanberis aus.

Blick vom Gipfel des Mount Snowdon, Snowdonia Nationalpark.
Snowdon Mountain Railway, Nordwales

Snowdon Mountain Railway und der Blick vom Gipfel

Abenteuerlich

Snowdonia ist sozusagen das Abenteuerzentrum Großbritanniens, und das vor allem weil umtriebige Unternehmer die Idee hatten, die großartige Landschaft um einige spektakuläre Attraktionen zu bereichern. Einige davon sind ganz schön verrückt, wie etwa die schnellste Zipline der Welt im Abenteuerpark Zip World, der unterirdische Abenteuerspielplatz Bounce Below oder die ein Kilometer lange Rodelbahn Fforest Coaster.

Im Adventure Parc Snowdonia kann man surfen,  und andere Outdoor-Abenteuer erleben, während die Erlebniswelt von Adrenaline Indoors Abenteuer ganz unabhängig vom Wetter bietet. Neu hinzugekommen sind das Wave Garden Spa mit Indoor- und Outdoor-Thermalerlebnissen, ein Pumptrack und eine Skate-Bowl, tägliche Freiwasser-Schwimmsessions in der Surf-Lagune sowie ein E-Bike- und Mountainbike-Verleih.

Wenn Sie auf der Suche nach solchen Abenteuern sind, werfen Sie einen Blick in die große Adventure Map.

Zip World Titan, Blaenau Ffestiniog, Nordwales.
Zip World Fforest Coaster, Nordwales.

Zip World Velocity und Zip World Fforest

Wild und spritzig

Im National White Water Centre kann man das gesamte Jahr hindurch auf dem River Tryweryn Kajak- und Raftingtouren unternehmen und die 300 Meter lange Surf-Lagune vom Adventure Parc Snowdonia inmitten des Conwy Valley ist das Herzstück des naturnahen Wassersportparks. Auch die Meerenge Menai Strait, die die Insel Anglesey vom Festland trennt, ist überaus eindrucksvoll, auch wenn sie streng genommen schon ein kleines Stück außerhalb des Nationalparks liegt. Geologisch gesehen handelt es sich bei der Meerenge um eine Verwerfung, die vor 20.000 Jahren von Eisplatten ausgewaschen wurde und die heute durch ihre ungewöhnlich hohen Gezeiten und vielen Strudel zu einem der anspruchsvollsten Fahrwasser zählt. Die Menai Strait lässt sich wunderschön mit dem Boot zu erkunden, entweder auf einer geführten Tour oder - weniger sanft - auf dem schnellsten Passagierschiff der Welt, dem RibRide.

Eine Gruppe von Menschen, die auf dem Fluss raftet.

National White Water Centre, Bala

Burgen an jeder Ecke

Im Norden Snowdonias stehen einige der schönsten mittelalterlichen Burgen und Schlösser der Welt. Die vier mächtigsten von ihnen – Beaumaris, Caernarfon, Conwy und Harlech – bilden gemeinsam eine UNESCO-Weltkulturerbestätte. Erbaut als eiserner Ring von König Eduard I. (1272–1307), wollte dieser mit Hilfe der Burgen die Waliser unterdrücken; langfristig ist ihm dies jedoch nicht gelungen. Bis heute ist der Anteil der walisisch-sprechenden Bevölkerung im Norden von Wales besonders hoch und auf allen Burgen weht voller Stolz der walisische rote Drache. Denn auch die walisischen Prinzen wussten, wie man Festungen baut. Sie sind zumeist zwar kleiner als die normannischen, liegen aber dafür an spektakulären Orten. Wunderbare Beispiele hierfür sind die Burgen von DolbadarnDolwyddelanDinas Emrys und Castell y Bere in Nordwales. Was wieder einmal beweist, dass Größe nicht alles ist.

Bild von Dolbadarn Castle, Nordwales
Beaumaris Castle, Anglesey, Nordwales.

Dolbadarn und Beaumaris Castle, Snowdonia

Idyllische Dörfer

Als eines der beliebtesten Basislager für Kletterer aus aller Welt bezeichnet sich das kleine Bergdorf Betws-y-Coed auch gern als das Tor nach Snowdonia‘, während Beddgelert mit seinem Status als hübschestes Dorf Snowdonias‘ wirbt. Über beides lässt sich kaum streiten. Blaenau Ffestiniog liegt mitten im Herzen des Nationalparks, ist aber spannenderweise nicht Teil davon. Die faszinierende Landschaft, die von Schieferabraum und großen Steinbrüchen dominiert wird, galt 1951, als die Grenzen des Nationalparks festgelegt wurden, als wenig Nationalpark-tauglich. Stattdessen hat sich das Gebiet als Abenteuerhochburg heute neu erfunden.

Weiter im Süden locken belebte Marktstädte wie Dolgellau und Machynlleth am Fuße des Cader Idris Massivs, Barmouth und Aberdyfi hingegen sind herrliche Strandbäder. Und auch Portmeirion ist ein beliebtes Ausflugsziel in atemberaubender Landschaft. Der mediterran anmutende Ort wurde zwischen 1925 und 1973 vom Architekten Clough Williams-Ellis angelegt ein großes pastellfarbenes Freilichtmuseum.

Das hübsche Dorf Beddgelert am Fuße des Mount Snowdon.

Das hübsche Dorf Beddgelert am Fuße des Mount Snowdon

Historisch

Die jahrtausendealte spannende Geschichte Snowdonias reicht von neolithischen Grabkammern wie Capel Garmon über Burgen und Schlösser bis hin zu historischen Bauten wie dem Aberconwy House, einem mittelalterlichen Kaufmannshaus aus dem 14. Jahrhundert, im hübschen Städtchen Conwy. Sehenswert in der Region sind aber auch das Nationale Schiefermuseum in Llanberis oder das moderne Wasserkraft-Elektrizitätswerk am Electric Mountain.

Die starke Verankerung der gesamten Region mit der walisischen Geschichte und Sprache wird beim Pub-Besuch deutlich, aber auch beim Besuch im Geburtshaus Yr Ysgwrn des Dichters Hedd Wyn, das besonders viel Nationalkultur vereint. Wer noch tiefer in die walisische Geschichte eintauchen möchte, der sollte einen Abstecher ins Städtchen Bala unternehmen, in dem die walisische Geschichte ganz groß geschrieben wird.

Nordwales' Geschichte ist von der Schieferindustrie geprägt. Wenn Sie den Snowdonia Nationalpark zu Fuß erkunden möchten, gibt es den wunderbaren 133 Kilometer langen Rundweg Snowdonia Slate Trail, dem Sie mit dem Reiseführer / der App Snowdonia Slate Trail folgen können. Die Geschichte der Schieferlandschaften wird durch die abgelegeneren Städte und Dörfer, stillgelegte Steinbrüche und weniger bekannte Wege offenbart.

Grabkammer von Capel Garmon
Zuschauer beobachten, wie Schiefer traditionell gespalten wurde.

Grabkammer von Capel Garmon und Demonstration von Schieferspaltung im Nationalen Schiefermuseum in Llanberis, Snowdonia

Snowdonia erradeln

Sowohl auf als auch abseits der Straßen erfreut sich das Radfahren in Wales steigender Beliebtheit. Es gibt unzählige hügelige Land- und Küstenstraßen, abgelegene Country Lanes oder steile Offroad-Strecken im Nationalpark. Bereits der britische Biker-Guru Sir Dave Brailsford, der in Snowdonia aufgewachsen ist und nach dem mit dem Brailsford Way zwei Fahrradrouten benannt sind, schwärmte von den vielseitigen Radfahrmöglichkeiten im Norden des Landes. Für Mountainbiker gibt es mit dem Mountainbike-Zentrum Coed y Brenin den größten eigens angelegten Singletrack-Komplex Großbritanniens sowie viele weitere Anlagen – eine Übersicht liefert Mountain Bike Wales.

Mountainbiking im Coed y Brenin, Nordwales.
Coed y Brenin, Snowdonia Nationalpark, Nordwales.

Unterwegs im Coed y Brenin

Nostalgie auf der Schiene

Die Zahnradbahn Snowdon Mountain Railway hoch zum Mount Snowdon wurde 1896 eigens für Touristen angelegt. Doch auch die Schieferindustrie hat in der Region mit verschiedenen Dampfeisenbahnen ihre Spuren hinterlassen, die heute ein Besuchermagnet sind. Tatsächlich ist die 64 Kilometer lange Strecke der Ffestiniog and Welsh Highland Railways genauso schön wie praktisch, wenn man die Region ohne Auto erkunden möchte. Eine Übersicht der schönsten Bahnstrecken finden Sie hier.

Ffestiniog Railway, Nordwales.

Die Dampflock Merddyn Emrys‘ zieht den historischen Zug der Ffestiniog Railway

Zu Ihrer eigenen Sicherheit

Die Natur zu erkunden macht großen Spaß. Dennoch ist es wichtig, sich vorab über mögliche Risiken zu informieren und gut vorbereitet zu sein.

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