Seit dem 19. Jahrhundert sind Faggots eine Art Grundnahrungsmittel. Sie stammen ursprünglich aus den Tälern der Bergbaugemeinden in Südwales und sind ein gutes Beispiel für den kulinarischen Einfallsreichtum der Waliser.

Da das Geld knapp war standen walisischen Hausfrauen zumeist nur die günstigsten Fleischstücke zur Verfügung und so griffen sie zu wenig ansprechenden Zutaten wie gehackter Schweineleber und Schweinelunge, Semmelbrösel, Salbei und Gewürze. Diese wurden zu einer Kugel geformt, in die Schweinemagenhaut gewickelt und im Ofen gebraten. Heraus kam eine überraschend feine Variante einer Frikadelle, die das Herzstück eines deftigen Abendessens mit Erbsen und Bratensoße war – oder sogar kalt mit Brot und Butter als Snack nach dem Abendessen gereicht wurde.

Trotz der Verwendung weniger begehrter Fleischstücke war das Gericht so beliebt, dass es Berichte gibt, wonach Frauen in Südwales wöchentlich bis zu 100 dieser kleinen Frikadellen an Nachbarn aus Fenstern und von ihren Haustüren aus verkauften.

Auch wenn sich das Rezept für Faggots im Laufe der Jahre verändert hat (heute wird meist keine Lunge verwendet), ist die Begeisterung für dieses ungewöhnliche und preiswerte Gericht ungebrochen und bis heute gilt es in Wales als beliebtes Pub-Essen.

Wann wird es gegessen?

Das Gericht ist, wie bereits erwähnt, ein klassisches Abendessen und wir mit Bratensoße, Erbsen und – in modernen Varianten (einschließlich unserer) – mit Kartoffelpüree serviert. Die kalte Variante hingegen, die als Snack nach dem Abendessen gegessen wird, ist nur etwas für besonders abenteuerlustige Feinschmecker.

Anmerkungen des Küchenchefs

Ironischerweise wurde ursprünglich für diese Rezept Fleisch ausgewählt, das günstig und leicht erhältlich war. Die Zutaten für hausgemachte Faggots zu besorgen, kann heutzutage etwas schwierig sein. Aber mit etwas Vorlaufzeit sollten die meisten Metzger Innereien besorgen können, allerdings müssen Sie möglicherweise eine ganze Schweineleber kaufen, die mehr ist, als Sie für dieses Rezept benötigen. Passen Sie das Rezept dann einfach an und frieren die Faggots bei Bedarf ein.

Beim Vorbereiten des Schweineherzens entfernt man zunächst das harte Fett rund um den oberen Teil des Muskels. Dann schneidet man es in zwei Hälften und entfernt alle Aderansätze, geronnenes Blut und Sehnen. Nach dem Säubern sollten zwei feste, saubere Muskelstücke übrigbleiben.

Statt ein Dutzend kleiner Faggots kann man auch einige größere zubereiten. In diesem Fall teilen Sie die Mischung in vier Portionen und verfahren wie beschrieben. Da sie jedoch deutlich größer sind, benötigen sie nach der Reduzierung der Hitze 20 Minuten länger (etwa 50 statt 30 Minuten), um durchzugaren.

Dieses Rezept eignet sich auch hervorragend für Lamm-Faggots. Dafür ersetzen Sie das Schweinefleisch durch Lammhackfleisch, Herz und Leber und verwenden statt Salbei, feingehackten Rosmarin. Köstlich mit Minzerbsen!

Für ein besonders feines Kartoffelpüree empfehle ich unbedingt die Verwendung einer Kartoffelpresse. Alternativ schmecken die Faggots auch hervorragend mit Markerbsen.

Faggots and Mash

Faggots and Mash

Wie man Faggots and Mash zubereitet

Portionen: 4 | Zubereitungszeit: 1 Stunde | Kochzeit: 1 Stunde, 30 Minuten

Zutaten

Für die Faggots

4 Zwiebeln
20 g Butter
1 Liter Rinder- oder Hühnerfond
1 TL Tomatenmark
1 EL Pflanzenöl
1 Knoblauchzehe, zerdrückt
¼ TL Muskatblüte
¼ TL Piment
¼ TL gemahlener schwarzer Pfeffer
1 TL Salz
1 TL frischen Thymian, gehackt
1 TL frischen Salbei, gehackt
100 g Semmelbrösel
300 g Schweinehackfleisch mit reichlich Fett (Hackfleisch vom Schweinebauch ist gut geeignet)
200 g Schweineleber
1 Schweineherz
1 Packung ungeräucherter Bauchspeck

 

Für das Kartoffelpüree

1 kg mehlig kochende Kartoffeln
50 g Butter
100 ml Milch
¼ Muskatnuss, feingemahlen

Zubereitung

01 Zuerst wird die Soße zubereitet. Hierfür zwei Zwiebeln in feine Scheiben schneiden und bei mittlerer Hitze in Butter glasig dünsten (etwa 10–15 Minuten). Nun das Tomatenmark einrühren und den Fond hinzufügen. Aufkochen und fünf Minuten köcheln lassen. Anschließend warmhalten, während die Faggots zubereitet werden.

02 Die restlichen Zwiebeln fein würfeln und fünf Minuten im Pflanzenöl anbraten. Knoblauch, Gewürze und Kräuter unterrühren und weitere 2 Minuten garen, dann abkühlen lassen.

03 Den Backofen vorheizen (220 °C Ober-/Unterhitze; 200 °C Umluft). Leber und Herz fein hacken und in einer großen Schüssel zusammen mit dem Hackfleisch, den Semmelbröseln, Zwiebeln und Salz gut vermengen und zu 12 Fleischbällchen formen.

04 Den Speck auf der Arbeitsfläche in 12 Streifen auslegen. Auf jeden Streifen ein Fleischbällchen legen und mit Speck umwickeln. Anschließend die Fleischbällchen mit den Speckenden nach unten in einen Bräter legen.

05 Im Ofen 15 Minuten braten, bis das Fleisch leicht gebräunt ist. Überschüssiges Fett abgießen, die Hitze reduzieren (170 °C; Umluft 140 °C), mit Alufolie abdecken und weitere 30 Minuten braten.

06 Während die Faggots braten, das Kartoffelpüree zubereiten. Dafür die Kartoffeln schälen, vierteln und in reichlich Salzwasser kochen. In einem zweiten Topf Milch, Butter, Muskatnuss und schwarzen Pfeffer aufkochen. Sobald die Kartoffeln weich sind (ca. 15 Minuten, je nach Größe), stampfen, in die Butter-Milch-Mischung geben und alles glattrühren.

07 Das Kartoffelpüree auf Teller verteilen, je ein paar Faggots darauflegen und mit Bratensoße übergießen und servieren.

Dieses Rezept wurde von Küchenchef Alex Vines recherchiert und getestet. Alex entwickelte seinen charakteristischen „einfachen, aber aufmerksamen” Kochstil während seiner zehnjährigen Tätigkeit in renommierten Londoner Restaurants. Er stammt aus Cardiff und setzt sich für die Verwendung saisonaler und regionaler Produkte ein und spiegelt damit die Prinzipien traditioneller walisischer Rezepte wider. Erfahren Sie mehr über Alex auf seinem Instagram-Account.

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