Ein gelungener Familienurlaub ist ein schwieriges Unterfangen. Es ist schon schwer genug, die manchmal entgegengesetzten Wünsche von zwei kleinen Kindern zu erfüllen, ganz zu schweigen davon, auch noch etwas für uns Erwachsene unterzubringen. Der Hafenort Barmouth an der Küste von Gwynedd scheint dafür allerdings eine ausgezeichnete Wahl zu sein – Strände und Badespaß auf vielen Kilometern und es gibt auch noch viel zu sehen und zu unternehmen, wenn wir den Sand zwischen den Zehen einmal satt haben.

Tag 1 – Erkundung von Barmouth und Fairbourne

Nach unserer Ankunft in Barmouth beziehen wir unsere Unterkunft – ein Apartment im obersten Stockwerk eines der hübschen viktorianischen Häuser, die die Strandpromenade des Städtchens säumen. Die Kinder sind sofort begeistert, nicht nur von der Nähe zum Strand, sondern auch von der großen Schüssel mit Pralinen auf dem Tisch.

Vollgezuckert machen wir uns auf den Weg, um die Stadt zu erkunden. Die blinkenden Lichter des Rummelplatzes versprechen traditionell britischen Küstenspaß, aber wir können die Kinder überreden, dies zugunsten eines Spaziergangs über die historische hölzerne Eisenbahnbrücke von Barmouth zu verschieben. Die 1867 eröffnete 820 Meter lange Brücke überspannt die Mündung des Flusses Mawddach und trägt noch immer die Züge der Cambrian Coast Line auf ihrer Fahrt entlang der Küste. Sie ist Teil des Wales Coast Path und des Mawddach Trail, zwei Wege, die bei Wanderern und Radfahrern sehr beliebt sind.

Zwei Kinder spazieren über eine Holzbrücke.
Barmouth und die Mawddach-Mündung von oben.

Spaziergang über die Barmouth Bridge der atemberaubenden Mawddach-Mündung und Barmouth von oben, Snowdonia

Als wir auf der anderen Seite wieder festen Boden erreichen, spazieren wir weiter nach Fairbourne, einer ruhigen Küstengemeinde mit Bungalows und Ferienhäusern. Da die Kinder wahrscheinlich keine große Lust mehr zum Wandern haben, beschließen wir, mit der Fairbourne Railway zurück nach Barmouth zu fahren. Auf einer Strecke, die seit über 100 Jahren befahren wird, fährt dieser kleine Dampfzug durch die Dünen zum Fährhafen von Barmouth, wo wir ein kleines Boot besteigen, um die kurze Fahrt zurück zum geschäftigen Hafen in Barmouth anzutreten.

Ausblick über die Flussmündung vom Zug aus.
Eine Gruppe Personen stehen an einer kleinen Fähre am Sandstrand.

Unterwegs mit der Fairbourne Railway und der Barmouth Ferry, Fairbourne, Snowdonia

Nach dem Mittagessen – es gibt köstliche frische Muscheln und gebratene Krabben in dem, auf Meeresfrüchte spezialisierten, Restaurant The Lobster Pot am Hafen – ist es an der Zeit, den Strand von Barmouth zu besuchen. Trotz des warmen Wetters und der Sommerferien gibt es auf dem weichen, goldenen Sandstrand viel Platz. Die Kinder verbringen ein paar fröhliche Stunden damit, die Dünen hinunterzurollen, Sandburgen zu bauen und in der überraschend warmen Brandung zu planschen (sogar wir Erwachsenen wagen uns hinein und bekommen nasse Füße). Wir sehen ein, dass wir unseren Besuch in der Spielhalle nicht ewig aufschieben können, und verbringen einige Zeit (und Geld) damit, Münzen in verschiedene klimpernde Automaten zu stecken, bevor wir uns am Abend auf den Rückweg machen.

Ein weiter Sandstrand.

Barmouths weiter Sandstrand, Snowdonia

Tag 2 – Dyffryn Ardudwy und Harlech

Von der gestrigen Wanderung beflügelt, versuchen wir am Morgen unser Glück mit dem kürzeren, aber etwas steileren Spaziergang hinauf zum Dinas Oleu. Diese Erhebung direkt hinter dem Städtchen, ein rund 2 Hektar großes Gebiet aus Felsen, Feldern und Steinmauern, wurde 1895 durch eine Schenkung der Landbesitzerin Fanny Talbot zum ersten Eigentum des National Trust. Wenn man den gewundenen Pfad zum Gipfel hinaufsteigt, beschweren sich die Kinder, aber selbst sie müssen zugeben, dass die Aussicht über die Cardigan Bay und bis zur Halbinsel Llŷn ziemlich beeindruckend ist.

Ausblick über das Seebad und die Flussmündung von hoch oben.

Ausblick vom Dinas Oleu, hoch über Barmouth, Snowdonia

Beim Aufstieg zum Gipfel über den gewundenen Pfad beschweren sich die Kinder, aber selbst sie müssen zugeben, dass die Aussicht über die Cardigan Bay und bis zur Halbinsel Llŷn ziemlich beeindruckend ist.

Dann setzen wir uns ins Auto und fahren die Küste entlang zur mittelalterlichen Burg Harlech Castle. Auf dem Weg dorthin halten wir an der Grabkammer von Dyffryn Ardudwy an, einer neolithischen Megalithanlage mit zwei nebeneinanderstehenden Grabkammern. Mein Sohn ist zwar etwas enttäuscht, weil keine Skelette zu sehen sind, aber den Kindern macht es Spaß, in das schattige Innere der Kammern zu schauen und sich vorzustellen, wie das Leben der Menschen ausgesehen haben muss, die sie vor so langer Zeit erbaut haben.

Zwei Kinder erkunden neolithische Grabkammern.

Die Dyffryn Ardudwy Grabkammern, Snowdonia

Das majestätische Harlech Castle (eine der vier Festungen in Wales, die zum UNESCO-Weltkulturerbe zählen) wird uns auf keinen Fall enttäuschen. Sobald wir die glänzende neue „schwingende“ Fußgängerbrücke überqueren und das robuste Torhaus betreten, werden wir Jahrhunderte zurückversetzt. Wenn man bedenkt, dass die Festung vor über 700 Jahren erbaut wurde, sieht sie immer noch ziemlich uneinnehmbar aus, mit ihren steilen Mauern, die aus dem Felsen ragen, auf dem sie steht.

Die Kinder begeben sich auf die Suche nach den „versteckten Waffen“ König Eduards I., eine Schatzsuche, die die Vergangenheit der Burg auf eine Art und Weise enthüllt, die auch jüngere Besucher anspricht. Um ehrlich zu sein, macht es auch mir Spaß, schließlich haben Burgen schon immer das Kind in mir geweckt. Es ist die perfekte Motivation, Harlechs verschiedene Ecken und Winkel zu erkunden – allerdings müssen Sie selbst kommen, wenn Sie das Rätsel lösen wollen.

Blick auf die Burg und die dahinter liegende Küste.
Zwei Kinder stehen an einer Infotafel vor einer Burg.
Ausblick auf den Strand von einem Torbogen der Burg aus.

Harlech Castle, Snowdonia

Nach dem Rundgang über die Festungsmauern mit Blick auf die Gipfel Snowdonias wagen wir uns außerhalb der Mauern zum Wassertor, das wir über einen steilen Weg mit 108 Stufen unterhalb der Burg erreichen. Einst war dies der Zugang zum Meer, das sich heute bis hinter die Dünen und den nahe gelegenen Royal St David's Golf Club zurückgezogen hat. Dieser Zugang ermöglichte es Harlech, während der vielen Belagerungen, die es in seiner langen und ereignisreichen Geschichte überstand, mit Lebensmitteln und Wasser zu versorgen.

Blick auf die Küste vom Burgwall aus.

Festungsmauern des Harlech Castle, Snowdonia

Wir legen einen kurzen Boxenstopp für Sandwiches im Wilderness Cafe genau gegenüber vom Castle ein und dann sind alle bereit für einen weiteren Strandbesuch. Ein kurzer Sprung ins Auto bringt uns nach Morfa Harlech, wo wir auf dem Weg zum Strand durch die hoch aufragenden Dünen des Naturschutzgebietes Morfa Harlech National Nature Reserve wandern. Es handelt sich um einen bedeutenden Lebensraum, der eine erstaunliche Vielfalt an faszinierender Flora und Fauna beherbergt – auch wenn meine Versuche, Sir David Attenborough zu spielen, nur schwer mit dem Wunsch der Kinder nach einer Runde Paddeln mithalten können.

Als wir aus den Dünen am Strand von Harlech auftauchen, ist es schwer zu glauben, dass ihre Begeisterung unangebracht war. Bei strahlend weißem Sand und blaugrün schimmerndem Wasser unter wolkenlosem Himmel könnte man meinen, man befände sich am Mittelmeer und nicht an der Küste von Nordwales – wäre da nicht die unverwechselbare Kulisse der hohen Gipfel von Snowdonia, die über die Dünen hinausragen.

Mit seinem flachen, sanft abfallenden Ufer und dem geringen Tidenhub, der das Wasser nah am Ufer hält, ist dies der perfekte Strand für unsere jungen Abenteurer, die hier einige glückliche Stunden damit verbringen, in den Wellen zu spielen und sich im Bodyboarding zu versuchen.

Eine Sandburg am Strand.
Zwei Kinder beim Bodyboarding im Meer.

Sandburgen und Bodyboarding am Strand von Harlech, Snowdonia

Unsere Reise endet wieder am Strand von Barmouth, wo wir ein letztes Eis geießen, während die Schatten über dem Sand länger werden. Es ist ziemlich selten, dass sich Kinder einig sind, aber unsere Tage an der Küste von Gwynedd werden von allen Seiten gelobt. Beim nächsten Mal müssen wir länger bleiben.

Sonnenuntergang am Strand mit Flip Flops im Vordergrund.

Sonnenuntergang über Barmouth, Snowdonia

Weitere Informationen

Die walisische Küste verspricht viel Spaß und bietet großartige Möglichkeiten für abenteuerliche Aktivitäten, aber bitte informieren Sie sich in jedem Fall vorab über die Risiken und stellen Sie sicher, dass Sie gut vorbereitet sind.

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