Jeder Pub schreibt seine ganz eigene Geschichte und wenn das alte Gebälk der Bars, die Balken der Dächer und die Böden reden könnten, hätten sie viele spannende oder auch seltsame Geschichten zu erzählen. Hier einige Gasthäuser in Wales, deren Geschichten ebenso berühmt sind wie ihre Gastfreundschaft.

Horse and Jockey, Wrexham, Nordwales

An der belebten Hauptstraße mit ihren vielen Geschäften, mit geschäftigen Restaurants und den nur allzu bekannten Ladenketten steht – nein, Ihre Augen täuschen Sie nicht – ein hübsches reetgedecktes altes Haus. Es sieht aus, als wäre es gerade aus dem 17. Jahrhundert hier gelandet. Das aus dieser Zeit stammende Gebäude ist seit mindestens 200 Jahren ein Gasthaus, und einige der ursprünglichen Holzbalken sind heute noch im Gastraum sichtbar. Der Ort wurde einst zu Ehren des Jockeys Fred Archer (1857-1886) benannt, einem Star des Pferderennsports.

Das Gasthaus beherbergt jedoch noch eine weitere berühmte Figur: das Gespenst George. Einmal rettete es eine Putzfrau, als sie von ihrem Stuhl fiel, und erschreckte sie dabei mehr als der Sturz selbst.

Ein reetgedecktes, weiß gestrichenes Hause in einer modernen Straße.

Das Pub „Horse and Jockey“ im Stadtzentrum von Wrexham, Nordwales

Llindir Inn, Henllan, Nordwales

Ein weiteres mit Stroh gedecktes Gasthaus. Und wie das Horse and Jockey zieht es Gäste aus allen Teilen der Welt an. Hier soll der Geist eines junges Mädchens namens Sylvia, die von ihrem eifersüchtigen Freund erdrosselt wurde, in den Zimmern umgehen. Es ist unwahrscheinlich, dass sie allein ist, denn dieses Gebäude stammt aus dem 13. Jahrhundert. Wie der walisische Name vermuten lässt, wurden in dieser Gegend einst große Mengen Flachs angebaut („llindir“ bedeutet „Land des Flachses“). Die Kirche St. Sadwrn gegenüber ist ebenso sehenswert.

Weitere Informationen finden Sie auf der Facebook-Seite des Llindir Inn.

The Bull Hotel, Llangefni, Anglesey

Das Bull Hotel im Zentrum der kleinen Marktstadt Llangefni diente zur viktorianischen Zeit als Postkutschen-Station, wovon die alten Ställe und das Kutschenhaus zeugen. Früher befand sich an gleicher Stelle jedoch ein wesentlich älteres Gasthaus namens Pen-y-bont, von dem es heißt, dass Mozart dort einkehrte, als er als Achtjähriger mit seinem Vater Großbritannien bereiste.

Im 19. Jahrhundert wurde das Gebäude von der wohlhabenden Familie Bulkley, die einst Land auf ganz Anglesey besaß, vollständig renoviert. Das Familienwappen zeigt drei Stiere, was den neuen Namen des Gasthauses erklärt.

Ein Pub-Schild und ein Kirchturm.
Außenansicht eines alten Pubgebäudes aus Stein.

The Bull Hotel in Llangefni, Anglesey

The Bulls Head Inn, Beaumaris, Anglesey

Wenn Sie heute im The Bulls Head Inn vorbeischauen, werden Sie die Verbindung zu Charles Dickens nicht übersehen können. Er übernachtete hier, als er auf die Insel Anglesey kam, um das Wrack der Royal Charter zu dokumentieren. Jedes Zimmer des Hotels ist nach einer seiner Figuren benannt. Aber das Gasthaus hat noch mehr zu bieten. Die Dachbalken stammen aus dem Jahr 1472 und das Gebäude war einst Hauptquartier von General Thomas Mytton und seinen Truppen während der Belagerung von Beaumaris im englischen Bürgerkrieg.

Ein Jahrhundert später nahm das Leben eine friedlichere Wendung, als sich hier 1733 die Quäker trafen – eine der ersten legalen Versammlungen dieser Art, die auf der Insel dokumentiert wurden.

Außenansicht eines alten weiß gestrichenen Pubs.
Ein Wandteppich mit einem schwarzen Bullen an einer Steinwand.
Das Innere eines alten Pubs mit bequemen Sofas und einer Bar.

The Bulls Head Inn, Beaumaris, Anglesey

Garddfon Inn, Y Felinheli, Nordwales

Das Garddfon Inn liegt idyllisch am Ufer der Menai Strait, der Meerenge zwischen dem Festland und der Insel Anglesey. In der Luft liegt der Geschmack von Salz, der einen in eine Zeit zurückversetzt, als diese Wasserstraße voller Schiffe und Boote war, die von hier aus ihre Fracht in alle vier Himmelsrichtungen transportierten. Oder gar noch viel weiter, rund 2000 Jahre zurück, als sich Römer und Druiden in einer blutigen Schlacht gegenüberstanden.

Als König Eduard I. im Jahr 1282 auf seinem Eroberungsfeldzug nach Wales kam, kam es in der Schlacht von Moel y Don zu einem Blutbad. Llywelyns Armee besiegte die Engländer, die von der Flut überrumpelt worden waren. Sie hätten das damalige Geschehen leicht vom Fenster des Pubs aus bei einem Gin & Tonic miterleben können, so nah stand der Pub am einstigen Schlachtfeld.

Tafarn y Plu, Llanystumdwy, Nordwales

Dieses 200 Jahre alte Gasthaus wird heute von der Gemeinde betrieben – ein wachsender Trend in diesem Teil des Landes, der zahlreiche kleine Pubs vor dem Ruin bewahrt hat. Viele zieht es wegen der Verbindung zu David Lloyd George hierher. Er war der einzige Waliser, der britischer Premierminister wurde und von 1916 bis 1922 im Amt war. Lloyd George wuchs in Llanystumdwy auf und nur einen Steinwurf entfernt, am Ufer des Flusses Dwyfor, befindet sich sein Grab.

Ein wenig weiter bergauf liegt Tŷ Newydd, hier verbrachte Lloyd Gorge seine letzten Jahre. Tŷ Newydd beherbergt heute das Nationale Schreibzentrum und so schauen gelegentlich einige der großen Autoren des Landes im Plu vorbei.

Weitere Informationen finden Sie auf der Facebook-Seite von Tafarn y Plu.
 

Das Innere eines Holzschuppens mit Picknickbänken darin.
Ein Garten vor einem alten Pub.

Tafarn y Plu in Llanystumdwy, Nordwales

Pen-y-Gwryd Hotel, Nant Cynnyd, Snowdonia

Das Pen-y-Gwryd Hotel, das sich an die Ausläufer des majestätischen Mount Snowdon schmiegt, ist in Bergsteigerkreisen weltberühmt. Hier übernachteten Hillary, Tenzing und das Expeditionsteam, als sie in Snowdonia für die Erstbesteigung des Mount Everest 1953 trainierten. Aus diesem Grund zieht der Ort Pilger aus allen Teilen der Welt an. Das Hotel scheint wie aus der Zeit gefallen zu sein und man erwartet fast, dass die Helden von damals gleich zur Tür hereinkommen. Und die Ruinen des alten römischen Lagers in Dyffryn Mymbyr, das sich gleich nebenan befindet, erinnern uns daran, dass selbst in dieser abgelegenen Gegend vor Jahrtausenden schon Menschen lebten.

George III Hotel, Penmaenpool, Nordwales

Die eine Hälfte des George III Hotel, das am Ufer der Mawddach-Mündung liegt, war einst eine Schiffsbauwerkstatt, während die andere Hälfte ein Gasthaus war. Das Gebäude stammt wahrscheinlich aus der Mitte des 17. Jahrhunderts. Damals war man, während man an seinem Getränk nippte, von Seefahrern und dem regen Schiffsbau umgeben. Später dampften die Züge der Cambrian Railway auf ihrem Weg von Dolgellau vorbei. Obwohl die Eisenbahn längst verschwunden ist, steht seit 1879 noch die hölzerne Mautbrücke über der Flussmündung.

Eine Holzbrücke über einem Fluss.

Die schöne Penmaenpool-Brücke nahe Dolgellau, Nordwales

Brigand's Inn, Mallwyd, Mittelwales

Im 16. Jahrhundert war das Gebiet um Mawddwy ein gesetzloses Land, das von Banditen namens Gwylliaid Cochion (die roten Briganten) beherrscht wurde – einer Bande rothaariger Wegelagerer, die 1555 den Baron Lewis ap Owen aus Dolgellau ermordeten. Ironischerweise gehörte der Familie des Barons das Peniarth Arms, das der Legende nach der Treffpunkt der Räuber war. Da es an einer wichtigen Straßenkreuzung zwischen Nord und Süd, Ost und West liegt, wurde es zunächst in The Bury's Hotel und dann in The Brigand's Inn umbenannt, um seine Verbindung zu den berüchtigten Rebellen zu feiern.

Cann Office Hotel, Llangadfan, Mittelwales

Das Cann Office Hotel steht seit 1310 an einer der alten Viehtreiberstraßen. Der Name leitet sich wahrscheinlich von „Cae'n y Ffos“ („Feld im Graben“) ab, aber das kann niemand mehr mit Sicherheit sagen. Heutzutage erklingt in den Mauern der unverwechselbare Dialekt der Bauern von Montgomeryshire, doch im Laufe der Jahrhunderte kamen auch immer wieder Besucher hierher. Es wird gemunkelt, dass Henry Tudor, der spätere König Heinrich VII., auf seinem Weg zur Schlacht von Bosworth im Jahr 1485 im „Cian“, wie er hier genannt wird, Halt machte.

Jedes Gasthaus schreibt seine ganz eigene Geschichte und wenn das alte Gebälk der Bars, der Dächer oder die Böden sprechen könnten, hätten sie viele spannende oder auch seltsame Geschichten zu erzählen.“

The Talbot, Tregaron, Mittelwales

The Talbot ist ein weiterer Viehtreiber-Pub an den Ausläufern der Cambrian Mountains. George Borrow beschreibt ihn anschaulich in seinem Buch „Wildes Wales“ (erstmals 1862 veröffentlicht), in dem er von seiner Wanderung durch das Land im Jahr 1854 berichtet. Als Engländer war er erleichtert, hier herzlich empfangen zu werden. Obwohl der Präsident der Vereinigten Staaten, Jimmy Carter, in den 1980er Jahren zweimal hier weilte, weckt eine andere Geschichte, die mehr als 100 Jahre zurückliegt, die Neugier vieler Besucher.

Gerüchten zufolge wurde ein Elefant namens Jwmbo im Biergarten des Pubs begraben, als er 1848 bei einem Zirkusbesuch in der Gegend verstarb. Trotz verschiedener Versuche, seine Ruhestätte zu finden, waren alle Bemühungen bisher vergeblich.

Tafarn Sinc, Rosebush, Westwales

Ursprünglich war Tafern Sinc ein Gasthaus an der alten Eisenbahnlinie. Heute hat es seinen Namen von seiner roten Zinkverkleidung. Rundherum sind alte landwirtschaftliche Gegenstände zu sehen, die an eine vergangene Zeit erinnern. Nur einen Steinwurf entfernt, inmitten der atemberaubend schönen Preseli Mountains, können Sie einzigartige und originelle Beispiele für „tai unnos“ (Häuser, die innerhalb einer Nacht auf Gemeindeland erbaut wurden) finden – wie das Carnabwth Cottage. Hier wohnte einst Thomas Rees, der Anführer der Rebecca Rioters, die Mitte des 19. Jahrhunderts gegen die Tyrannei der Mautstellen in Wales rebellierten.

No Sign Wine Bar, Swansea, Westwales

Wie das Browns in Laugharne war auch die No Sign Wine Bar in den 1930er Jahren einer der regelmäßigen Aufenthaltsorte des berühmten walisischen Dichters und Schriftstellers Dylan Thomas. Ursprünglich waren hier Weinhändler namens Munday ansässig und die Keller, in denen der Wein gelagert wurde, gehen auf das 15. Jahrhundert zurück. Die Bar selbst wurde im Jahr 1690 eröffnet. Aber was verbirgt sich hinter dem seltsamen Namen? Nun, die Lizensierungsgesetze verlangten, dass alle öffentlichen Häuser in der Stadt einen Namen haben mussten. Da es sich jedoch um eine Bar und nicht um ein öffentliches Gebäude handelte, war keine Beschilderung vorgesehen. Um in der Sache Abhilfe zu schaffen, wurde ein Schild mit der Aufschrift „No Sign“ aufgestellt, und der Name hat sich bis heute gehalten.

The Old House 1147, Llangynwyd, Südwales

Mit ziemlicher Sicherheit ist das The Old House 1147 der zweitälteste Pub in Wales. Er geht auf das Jahr 1147 zurück und nicht nur sein Strohdach, sondern auch die Aussicht auf Nant-y-Gadlys sind beeindruckend, wie auch die Geschichten und Legenden, die sich um diesen Ort ranken. Auf dem Schild des Gasthauses ist die Mari Lwyd abgebildet, was auf den alten Weihnachtsbrauch hinweist. Das Dorf war auch Heimat von Wil Hopcyn, dem Autor des Volksliedes „Bugeilio'r Gwenith Gwyn“, das auf der romantischen, herzzerreißenden Geschichte der Maid of Cefn Ydfa basiert.

Skirrid Inn, Abergavenny, Südwales

Viele behaupten, dass dies definitiv das älteste Gasthaus in Wales ist, wenn nicht sogar das älteste in ganz Großbritannien. Es soll bereits während der normannischen Eroberung im 11. Jahrhundert hier gestanden haben. Owain Glyndŵr und seine Truppen sollen hier übernachtet haben, als sie durch die Brecon Beacons zogen. Die vielleicht überraschendste Tatsache ist jedoch, dass das Skirrid Inn nicht nur ein Gasthaus, sondern früher auch Gerichtshof war. Neben der Bar befand sich im Treppenhaus der Galgen aus Eichenholz, an dem mehr als 200 Schurken ihr Schicksal fanden. Sicherlich spuken die Geister vieler von ihnen noch immer zwischen diesen Mauern umher.
 

Danksagung

Ian Parri, Favourite Watering Holes (Gwasg Carreg Gwalch, 2008);

Myrddin ap Dafydd, Welsh Pub Names (Gwasg Carreg Gwalch, 2016).

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