Dem Alltag entfliehen mit Cerys Matthews

Cerys Matthews und ihre Freunde entdecken während eines Hausbooturlaubs die Freuden des Gleitens entlang des Llangollen Canal. Erfahren Sie mehr darüber, wie sie mit Schleusen und Aquädukten zurechtkamen...

Der Llangollen Canal

Cerys and friends on Llangollen Canal

Cerys and friends on Llangollen Canal

Mein Tourneeleiter Dave und seine Freundin Julie holen mich mit einem Lieferwagen voller Vorräte ab. Wir machen uns auf den Weg nach Llangollen und reden über Gott und die Welt. Wir kommen zum Schluss, dass bei diesem schrecklich nassen Wetter der schönste Ort auf Erden ein Boot mit unserem eigenen Schiffsmann als Steuermann ist. Dave hat Erfahrung, das Ruder in der Hand zu halten und die Erfolgsaussichten auf unseren Dreitagesausflug auf dem Llangollen Canal scheinen somit perfekt zu sein.

Um 10 Uhr morgens fahren wir los zur Maestermyn and Welsh Lady Cruisers Bootswerft, wo unser Hausboot mit acht Schlafgelegenheiten, Empress Two, bereitsteht. Es verfügt über zwei Doppelschlafzimmer, ein Zweibettzimmer, zwei Toiletten, einer Dusche/Bad, Heizkörper, einer Küche mit einem Tanz-/Essensbereich, mehr darüber später... Die Männer (es lebe der Sexismus auf unserem Boot) werden eine Stunde lang eingewiesen, während Julie auspackt und ich auf dem Bug Gitarre spiele. Ich lese jedoch das Kapitel „Mann über Bord“ im Reiseführer, „aufstehen“ scheint der prägnanteste Ratschlag zu sein - der Kanal ist für Durchschnittsmenschen nur hüfthoch. Dave startet den Motor und wir fahren langsam in den Kanal und beobachten Schafe, während die Enten uns beobachten und in der Küche Pistazien und Chilis herumkullern.

Mit Regeln und Vorschriften im Kopf beginne ich zu denken, dass Kanalausflüge dazu gemacht sind, der Kunst des Nichtstuns zu frönen, während man etwas tut. Oder vielleicht auch anders herum. In jedem Fall ist dies für Opfer von sauberen, stressigen „To Do“-Listen eine willkommene Abwechslung. So genießen Julie und ich weiterhin unsere Entspannung, während die Männer das Steuern dieser 20 Meter langen Stahlkonstruktion unter winzigen Brücken in Angriff nehmen.

Die erste Schleuse

Cerys Matthews on canal boat

Pontcysyllte Aqueduct, North East Wales

Es ist ein bisschen einschüchternd, aber mit der Hilfe der Crew von Stavenger Fjord - die diesen Kanal regelmäßig befährt - schaffen wir es. Letztendlich. Oh.... die gute Physik, sie holt uns ein und lacht uns aus. 

Das gegenseitige Verhalten bei Brücken ist etwas einfacher. Wer zuerst da ist, kommt zuerst, unser Geplauder wird dennoch wieder durch massives Sirenengeheul unterbrochen. Das Wetter ist jedoch wunderbar trocken und mild nach einem so miserablen, nassen August; perfekt für Gummistiefel und Sonnenbrillen, meine Modewahl auf diesem Ausflug.

Keine Anfänger mehr

Nachdem wir keine Schleusen-Anfänger mehr sind, sind wir bei der zweiten Schleuse viel schneller. Wir lehnen uns zurück und brechen wie alte Seebären in schallendes Gelächter aus, bewundern technische Kunstwerke, vom Urknall bis hierher (oder sollte es andersherum sein?). Und so geht unser erster Tag weiter, mit einer Geschwindigkeit von 8 Kilometern pro Stunde, während die Wolken schnell vorbeiziehen und die Empress so wunderbar langsam ist. 

Runter von meiner Wolke

Pontcysyllte Aqueduct

Pontcysyllte Aqueduct, Wrexham, North East Wales

Das Pontcysyllte Aquädukt ist der höchste Punkt des Kanals – oder diesbezüglich jeden Kanals in Großbritannien. Das Aquädukt, eine enge Wasserrinne, trägt das Boot über eine Strecke von 300 Metern durch das Dee Valley. Dieser außerordentliche „Wasserweg im Himmel“ ist 38 Meter hoch in der Luft und es gibt keine Geländer auf der Seite des Boots. Mit zwei Glas Wein gestärkt liege ich auf dem warmen Stahldeck und schaue seitlich auf den Talboden hinunter, über dem wir zu fliegen scheinen. Es ist ein unbeschreibliches Gefühl. Nun, da ich schon so hoch oben bin, will ich nicht mehr hinunter... 

Zehn Minuten später fahren wir sicher in Trevor ein und finden einen Anlegeplatz.  

Wir spazieren zum Thomas Telford Pub (benannt nach dem Mann, der das Aquädukt gebaut hat) für Bier und ein Steak. Wir sprechen über die Olympischen Spiele und ziehen uns für eine iPod-Party auf das Boot zurück. Elvis, Dusty, Queen, Al Green. Der Essensbereich wird zum schmalsten Tanzboden der Welt und macht sich hervorragend, er wird zum Zeugen von zwei Spagaten, einer Rückbeuge und einem Kampf um die Auswahl über fünf iPods. Und plötzlich ist es drei Uhr morgens. Mit Sicherheit Schlafenszeit.

Baby, it's warm outside

Ich wache um acht Uhr auf. Einige Crew-Mitglieder sind noch verkatert, sodass ich auf den Grills, die wir in Paul‘s Shop an der zweiten Schleuse gekauft haben, Frühstück koche. Mein Muntermacher-Rezept? Brutzelnde Würste, Speck, Blutwurst... und Aubergine (versuchen Sie es - halbieren, das Innere einritzen, mit Steinsalz, schwarzem Pfeffer und Olivenöl bestreuen, dann kochen bis sie sehr, sehr weich sind). Den Kanal hinunterzugleiten, während der ganze Tag noch vor uns liegt, muss eines der besten Gefühle der Welt sein. Wie ein wunderbares, ausgiebiges Gähnen. 

Es ist noch nicht Zeit, das Ruder zu übernehmen. Ben und Dave leisten ausgezeichnete Arbeit und wir werden bald in Chirk Marina einfahren. 

Ein neuer wunderschöner Tag, die Sonne scheint durch die Äste, die Wolken so weiß, das Gras so grün. Wir entscheiden uns beinahe zum Golfspielen, setzen uns dann aber auf ein Bier und zum stillen Bewundern der Greens vom Balkon der Bar. 

Wir nehmen mehr Wasser für die Empress an Bord und dann geht‘s zurück zum Kanalleben. Zur Teestunde finden wir einen Anlegeplatz und machen das Boot am Ufer fest. Gespräche aller Art, über Meerschweinchen, Tiger, Enten und Christen, folgen. Wir schließen uns einer Gruppe von Sechziger-Piraten vom benachbarten Boot an, essen gut und spielen Pool-Billard im örtlichen Pub. Dieses Mal gehen wir brav um Mitternacht schlafen.

End of story, morning glory

Und was für einen wunderschönen Morgen Sie entlang der Ufer das Llangollen Canal finden werden. Ich erwache und ein weiterer klarer Tag auf dem Wasser erwartet mich, nachdem der Nebelschleier sich langsam auflöst. 

Während der vergangenen Tage habe ich die Bedeutung des Verlangsamens, im wahrsten Sinne des Wortes und im übertragenen Sinn, gelernt. 

Wir wärmen den Motor auf und ich übernehme das Steuer, sodass ich nun sagen kann, dass ich ein langes Kanalboot unter Brücken und um Kurven herum fahren - oder lenken?- kann. 

Wir gehen zurück zu unserer Basis und tauschen die Gewässer mit unserem Leben in der Stadt. Ben meint, dass die Tatsache, dass wir nicht gesunken sind, ein Zeichen unserer Unsinkbarkeit war ... und dass eine Flussfahrt noch nie so viel Spaß gemacht hat.