Vale of Glamorgan

Mittlerweile habe ich schon einige Kilometer in Wales zurückgelegt und viele sehenswerte Orte besucht. Bis jetzt waren fast alle meine Ausflüge allerdings mit einer relativ langen Autoanfahrt verbunden. Dabei ist das eigentlich gar nicht nötig, denn selbst eine kurze Zugfahrt vom Hauptbahnhof in Cardiff aus bringt einen mitten hinein in Wales atemberaubende Natur.

Diesmal geht es die Küste entlang nach Westen, in das Vale of Glamorgan. Ganz ohne Auto wird es dann doch schwierig, wenn man wie ich versucht, eine komplette Region in einen Tag zu packen. Deswegen holt mich meine Kollegin, die hier aufgewachsen ist, am Bahnhof der kleinen Stadt Llantwit Major mit dem Auto ab, um mir die schönsten Ecken ihrer Heimat zu zeigen.

Die 14 Meilen lange Glamorgan Heritage Coast ist ein Paradies für Geologen und Archäologen; vor kurzem entdeckten zwei Fossilienjäger hier das 200 Millionen Jahre alte Skelett eines Dinosauriers. Aber das Tal hat noch mehr zu bieten als spektakuläre Felsformationen und Überreste aus der Steinzeit. Goldene Sandstrände und weite Dünenlandschaft unterbrechen die gewaltigen Klippen. Im Landesinneren schlängeln sich kleine Flüsse durch grüne Wiesen umrandet von alten Steinmauern. Auf engen Straßen fahren wir durch verschlafene Dörfer mit reetgedeckten Cottages, alten Steinkirchen und noch älteren Pubs. Fehlt nur noch, dass sich das Auto in eine Pferdekutsche verwandelt, dann wäre ich mir sicher, eine Reise in die Vergangenheit zu unternehmen.

St Illtud's Kirche und Friedhof in Llantwit Major

St Illtud's Kirche in Llantwit Major

Unser erster Stopp ist St Illtud’s Church in Llantwit Major, eine besonders schöne walisische Steinkirche mit langer Geschichte. Um das Jahr 500 gründete der Mönch St Illtud hier eine klösterliche Gemeinde und legte damit den Grundstein für Großbritanniens ältestes Zentrum des Lernens. Angeblich wurden sogar St David und St Patrick, die Schutzheiligen von Wales und Irland hier unterrichtet.

Weiter geht es eine gewundene Küstenstraße entlang zum malerischen Nash Point Leuchtturm; dies war der letzte bemannte Leuchtturm in Wales. Heute kann man im gemütlichen Wärterhäuschen übernachten und sich vom Rauschen der Wellen in den Schlaf singen lassen. Leider bleibe ich nicht über Nacht…

Ein blühendes Rapsfeld vor dem Nash Point Leuchtturm

Nash Point Leuchtturm

Wir fahren weiter bis wir Ogmore-by-Sea erreichen, wo die steilen Klippen schließlich von einem gigantischen Sandstrand abgelöst werden, der bei Surfern sehr beliebt ist. Dahinter schließt sich die beeindruckende Dünenlandschaft von Merthyr Mowr an. Hier überqueren wir eine ‚sheep-dipping-bridge’ – eine mittelalterliche Steinbrücke, deren Geländer mit Löchern versehen wurde, durch die Bauern ihre Schafe in den Fluss schubsen konnten um das Fell zu waschen.

Reiter vor einer Sanddüne in Ogmore-by-Sea

Reiter in Ogmore-by-Sea

Den Nachmittag verbringen wir in Cowbridge, einem schicken kleinen Marktstädtchen, das zum Flanieren und Stöbern einlädt. In den eleganten kleinen Boutiquen, gemütlichen Cafes und quirligen Vintageshops – besonders der Happy Day Homestore ist einen Besuch wert- fällt es mir leicht, die Zeit (und meinen Kontostand) zu vergessen. Dafür erstehe ich einige schöne Souvenirs!

Blumengeschäft in Cowbridge

Blumengeschäft in Cowbridge

Meine Tour geht hier leider zu Ende. Im Vale of Glamorgan gibt es aber noch einiges mehr zu entdecken! Der Badeort Barry zum Beispiel steht noch auf meiner Liste – hier kann man die Freuden des britischen Strandlebens hautnah erleben, inklusive Vergnügungspark, Softeis und Fish & Chips.

Zwar habe ich geschummelt und mich fahren lassen, allerdings kann man das Vale of Glamorgan auch wunderbar zu Fuß erkunden. Es gibt zahlreiche ausgeschilderte Wanderungen und Spaziergänge und natürlich verläuft hier auch der Wales Coast Path. Oder wie wäre es mit einem Ausritt am Strand? Mehr Infos und Routenvorschläge gibt es hier: www.visitthevale.com.