Conwy & Llandudno

Ohne einen Besuch dieser zwei benachbarten Städte, die unterschiedlicher nicht sein könnten, ist ein Ausflug nach Nordwales nicht komplett. Hier kann man nicht nur jede Menge frische Seeluft schnappen, sondern auch sehr viel über Wales Geschichte lernen.

Das mittelalterliche Städtchen Conwy  wird dominiert vom Conwy Castle, eine beeindruckende Burg, die King Edward I im 13. Jahrhundert erbauen ließ. Die Wahl des Standorts war eine Demonstration englischer Macht, denn Conwy war ursprünglich ein Zentrum walisischer Kultur und die Burg wurde auf den Überresten eines Klosters errichtet, in dem die Waliser ihre Kronjuwelen aufbewahrten. Während die grauen Steine der Mauern und Türme heute mit der umliegenden Natur zu verschmelzen scheinen, leuchteten sie zu Edwards Zeiten in strahlendem Weiß, sodass die Burg weithin sichtbar war.

Conwy Castle

Conwy Castle

Die UNESCO Weltkulturerbestätten Conwy Castle, Caernarfon Castle, Harlech Castle und Beaumaris Castle bildeten einen „eisernen Ring“ um Snowdonia, der dabei helfen sollte, das Unabhängigkeitsstreben der Waliser zu unterdrücken.

Zusätzlich errichtete Edward um Conwy eine Stadtmauer, innerhalb derer kein Waliser leben durfte. Diese ist sehr gut erhalten und lädt heute zum Spazierengehen ein. Von dort hat man tolle Ausblicke auf die Burg und die umliegende Natur; die Berge von Snowdonia und die Mündung des Conwy Flusses. Wen’s interessiert: hier kann man auch einige der ältesten Toiletten der Welt bewundern: mittelalterliche Latrinen, die in die Stadtmauer integriert sind.

Eine weitere Attraktion Conwys ist zwar nicht ganz so imposant wie die Burg, dafür aber nicht weniger sehenswert. Am Kai, leuchtend rot angestrichen, befindet sich das kleinste Haus Großbritanniens. Es ist ganze 3m hoch und 1,80m breit. Angeblich hat hier mal ein 1,80m großer Fischer gewohnt, der zum Schlafen seine Füße aus dem Fenster strecken musste.

Das kleinste Haus Großbritanniens in Conwy eingezwängt zwischen der Stadtmauer und einem alten Fischerhaus

Das kleinste Haus Großbritanniens

Das herrschaftliche elisabethanische Stadthaus Plas Mawr in der High Street ist auch einen Besuch wert. Es wurde im 16 Jahrhundert für den reichen Händler und Höfling Robert Wynn erbaut und gehört zu den besterhaltenen Exemplaren aus dieser Zeit. Die prunkvollen Innenräume sind besonders beeindruckend.

Zum Essen empfiehlt sich das traditionsreiche Castle Hotel auf der anderen Straßenseite, als besondere Delikatesse gelten Conwys Muscheln. Die bemalten Wände gehen auf einen Gast zurück, der knapp bei Kasse war und so seinen Aufenthalt bezahlte.

Die großen, eleganten Hotels der viktorianischen Küstenstadt Llandudno bilden einen starken Kontrast zu Conwys kleinen mittelalterlichen Fischerhäuschen. Wie zur Zeit Queen Victorias strömen auch heute noch die Menschen hierher, um auf der schönen Promenade zu flanieren und den längsten Pier in Wales entlangzuschlendern. Fish & Chips und Softeis gibt es hier in Massen; allerdings sollte man die Möwen im Auge behalten, die kennen hier keine Gnade!

Neben vielen ausgezeichneten Hotels, einem Strand mit blauer Flagge und guten Einkaufsmöglichkeiten verfügt Llandudno über eine Straßenbahn, die Besucher auf den Great Orme bringt. Dies ist eine markante Landzunge aus Kalkstein, von der man einen atemberaubenden Ausblick auf die Umgebung hat.

Blick auf Llandudno vom Great Orme

Blick auf Llandudno vom Great Orme

Für Literaturliebhaber gibt es noch einen anderen Grund, Llandudno einen Besuch abzustatten. Alice Liddell, das Mädchen das Lewis Carroll zu seinem Roman Alice im Wunderland inspirierte, verbrachte in den 1860er Jahren ihre Ferien in der geschäftigen Seestadt, oft in Begleitung des Autors. Heute kann man auf Alice Spuren durch die Stadt wandern und dabei der Herzkönigin, der Grinsekatze und anderen Figuren aus Carrolls Roman über den Weg laufen.