Tauchen Sie ein in die Geschichte von Wales entlang der walisischen Küste – überwinden Sie die Mauern uralter Burgen, entdecken Sie Geheimnisse historischer Häuser, folgen Sie den Spuren von Piraten und erwecken Sie die Mythen und Legenden zum Leben.

Burgen mit Meerblick

Beginnen wir Wales' Geschichte mit den Burgen und Festungen an den Küsten. Jeder, der im 13. Jahrhundert eine Festung erbaute, wusste, wie wichtig eine freie Sicht auf das Meer war, denn alle Arten von Angriffen konnten auch von der Küste her kommen. Im Nordosten von Wales liegt Flint Castle, die erste Burg des „eisernen Ringes“ von Festungen, die von Englands König Eduard I. gebaut wurden, um die Waliser zu besiegen. Obwohl Flint Castle nicht so perfekt erhalten ist wie die anderen Burgen, hält es dennoch eine wahnsinnige Atmosphäre und prächtige Geschichte parat – in Shakespeares berühmten „Richard II“ dient es als Schauplatz der Gefangennahme Richard des Zweiten.

An der Küste von Nordwales befinden sich vier weitere Burgen, die von König Eduard I. erbaut wurden: Conwy, Beaumaris, Caernarfon und Harlech, die gemeinsam mit der Stadtmauer in Conwy ein UNESCO Weltkulturerbe bilden. Alle vier sind imposante, ‚richtige‘ Burgen – solche, wie man sie als Kind mit Lego-Steinen nachbaute, mit Türmen in der Mitte und ‚Mauern inmitten von Mauern‘; tatsächlich wird Beaumaris oft als die ‚technisch perfekteste‘ Burg Großbritanniens bezeichnet. Für Besucher sind alle vier geöffnet und es finden dort auch regelmäßig Veranstaltungen statt.

Criccieth Castle, eine der begehrtesten und meist umkämpften Festungen des Landes, ist ein weiteres Juwel in Nordwales. Llywelyn der Große hatte sie erbaut, bevor sich Eduard I. ein Stück vom Kuchen abschnitt und einige ‚Verbesserungen‘ durchführen ließ - wie zum Beispiel einen speziellen Turm für ein Steinkatapult - bevor letztendlich Owain Glyndŵr im frühen 15. Jahrhundert das Anwesen eroberte und große Teile davon in der letzten großen Rebellion der Waliser gegen die Engländer niederbrannte. Es ist nicht schwer zu erkennen, was es so begehrenswert machte – Criccieth liegt auf einer Landzunge zwischen zwei Stränden, umgeben von Wasser. Also kann man es auch nur für den spektakulären Meerblick besuchen.

Harlech Castle looking towards the sea.
Aerial view of Criccieth Castle on top of a hill with the town in the foreground and the sea and distant hills in the background
Harlech Castle und Criccieth Castle bei Sonnenuntergang

Pembrokeshire ist die Heimat von vielen verschiedenen Anwesen, von frühen Vorburgen bis hin zum Bischofspalast. Manorbier ist dabei eines der schönsten am Meer – der Schriftsteller Gerald of Wales aus dem Mittelalter bezeichnete es als den ‚angenehmsten Ort in Wales‘. Der normannisch-freiherrliche Wohnsitz liegt mit Blick auf einen wunderschönen Strand und hat zahlreiche Treppen, Türme und Festungsmauern, die man erkunden kann sowie traumhafte ummauerte Gärten. Ein weiteres Schloss, das zwischen den Normannen und Walisern den Besitz wechselte, ist Llansteffan in Carmarthenshire mit seiner malerischen Lage auf einer Sandbank in der Mündung des Flusses Twyi. Ursprünglich aus Erde und Holz erbaut, wurde es später in eine mächtige Burg verwandelt, die für kurze Zeit zwischen 1405 und 1406 auch von Owain Glyndŵrs Unterstützern gehalten wurde.

View of Eagle Tower Caernarfon Castle
Caernarfon Castle mit Blick auf die Menai Strait

Historische Häuser

An den Ufern der Meerenge Menai Strait liegt das denkmalgeschützte Anwesen Plas Newydd, welches berühmt für die Einflüsse von Rex Whistler ist und in dem ein eindrucksvolles Wandgemälde sowie eine Ausstellung seiner Kunstwerke zu sehen sind. Dieses Herrenhaus wurde mit Weitsicht erbaut – mit einer herrlichen Aussicht über die Menai Strait auf die stimmungsvollen Berge von Snowdonia. In dem angrenzenden Wald, in dem Rhododendren im Sommer und Hortensien im Herbst blühen, kann man herrlich spazieren. Plas Newydd ist ein Haus für jede Jahreszeit.

In Richtung Süden, auf der Halbinsel Llŷn, liegt das verwunschene Plas yn Rhiw, welches ebenfalls zum National Trust gehört. Das Haus hat eine schöne Geschichte; 1938 übernahmen es die drei Keating-Schwestern, restaurierten es liebevoll und statteten es mit Kunstwerken der ehemaligen Bewohner und deren Gästen aus. Zudem wurde es mit architektonischen Besonderheiten von Sir Clough Williams-Ellis (Portmeirion) aufgewertet. Von den Gärten aus, deren verwinkelte Ecken zu einem Picknick oder einer kleinen Auszeit einladen, hat man einen atemberaubenden Blick über Llŷn.

Nahe der Küste und noch weiter im Süden liegt ein weiteres Schmuckstück, das zum National Trust gehört: Llanerchaeron. Das Haus ist ein fantastisches Beispiel für die frühen Arbeiten des Architekten John Nash, der auch Teile des Buckingham Palace entwarf. Im 18. Jahrhundert erbaut, wurde die Villa 200 Jahre lang nicht verändert und hat ihren eigenen Hofdienst mit Molkerei, Wäscherei, Brauerei und Salzhaus, was ein faszinierendes ‚treppauf, treppab‘-Erlebnis bietet. Zudem sind die ummauerten Gärten ein traumhafter Ort für einen Spaziergang.

Weiter im Süd-Westen, in Richtung Pembrokeshire, steht ein weitaus ‚historischeres Zuhause‘: Die Festung Castell Henllys aus der Eisenzeit! Archäologen haben hier zwei Jahrzehnte lang gegraben, was dazu führte, dass die strohgedeckten Gebäude aus der Eisenzeit auf deren ursprünglichen Fundamenten wiederaufgebaut wurden. Castell Henllys, das auf zwölf Hektar Land inmitten von malerischen Flusswiesen liegt, ist nur zehn Minuten von der Küste entfernt. Auf der Anlage können nicht nur Skulpturen und Schweine aus der Eisenzeit (!) bewundert werden, sondern auch das ‚Old Roundhouse‘, das älteste rekonstruierte Rundhaus aus der Eisenzeit in Großbritannien.

Exterior of Plas Newydd, Angelsey, North Wales
Das stattliche Herrenhaus Plas Newydd auf der Insel Anglesey

Lebendige Geschichte

Sie interessieren sich für kulturelle Denkmäler, genießen Chorgesänge in einer jahrhundertealten Kathedrale und feiern gerne in Städten mit architektonischen Wahrzeichen? Ein Glück für Sie, denn in Wales können Sie all dies tun!

Seit dem 6. Jahrhundert stand eine Kirche an dieser Stelle, an der sich heute die St Davids Cathedral in Pembrokeshire befindet. Seit über 1500 Jahren ist es ein Ort der Gebete und Gottesverehrungen. Die Kathedrale liegt in Großbritanniens kleinster Stadt, St Davids, und war im 12. Jahrhundert so bedeutend, dass der Papst erklärte, zwei Wallfahrten nach St Davids kämen einer Wallfahrt nach Rom, und drei einer Wallfahrt nach Jerusalem gleich! Heutzutage ist die Kathedrale für Besucher und Kirchgänger geöffnet, aber auch für Musikliebhaber – denn im Mai und Juni findet alljährlich an zehn Tagen das St Davids Cathedral Festival mit klassischer und moderner Musik statt.

Image of St Davids cathedral in St Davids
Die sehenswerte Kathedrale von St Davids

Ein weiterer besonderer Ort ist das magische Dorf Portmeirion in Nordwales. 50 Jahre lang arbeitete Sir Clough Williams-Ellis liebevoll daran, seine Vision eines Dorfes nach italienischem Vorbild an der Nordwales-Küste umzusetzen. 1931 wurde das Hotel eröffnet, in dem Künstler, Adlige, Politiker und Magnate, sowie bekannte Autoren und Dramatiker übernachteten, darunter H. G. Wells, George Bernard Shaw, oder Noël Coward.

Zurück ins 6. Jahrhundert und zu Orten von religiöser Bedeutung: St Trillo’s Chapel, die an der Küste bei Rhos-on-Sea steht, besteht seit etwa 1500 Jahren, wird aber noch heute genutzt und bietet Platz für circa 6 Kirchgänger. Es ist Großbritanniens kleinste Kapelle, die an einem vorchristlichen und geweihten heiligen Brunnen steht, über welchen der Altar gebaut wurde – das Wasser wurde bei Taufen in der Gemeinde verwendet.

Building at Portmeirion
Exterior of Hotel Portmeirion looking down the estuary.
Portmeirion in Nordwales

Sind Sie an Wales’ faszinierender Geschichte des Schieferabbaus interessiert? Dann fahren Sie von der Hafenstadt Porthmadog an Bord der historischen Ffestiniog Railway landeinwärts nach Blaenau Ffestiniog zu Llechwedd Slate Caverns. Hier erfahren Sie während einer Deep Mine Tour die spannende Geschichte von Wales’ Schieferabbau im 19. Jahrhundert, erleben ein wahres Abenteuer auf einer Geländetour durch die Berge oder werden bei einem Schiefer-Workshop aktiv. Oder soll es doch etwas ganz anderes sein? In den Zip World Caverns warten spannende Abenteuer unter Tage, wie ein unterirdisches Trampolin-Paradies oder rasend schnelle Seilrutschen.

Legenden und Geschichten

Zu allen historischen Meilensteinen gibt es Geschichten, doch einige wurden zu Legenden. St Govan’s Chapel ist eines dieser Beispiele; die wunderschön gelegene Einsiedlerzelle, die nahe Bosherston in Pembrokeshire in eine Klippe eingehauen wurde, ist nur über einige sehr steile Stufen zu erreichen. Der Legende nach soll die Zahl der Stufen beim Aufstieg aber nie mehr die gleiche sein, wenn man sie einmal alle beim Abstieg gezählt hat!

Wenn eher draufgängerische Abenteuer Ihr Ding sind, werden Sie sich freuen, dass viele der bekanntesten Piraten der Geschichte aus Wales stammen. Der erfolgreichste Pirat kam aus Little Newcastle in Pembrokeshire, aus Fishguard, um genau zu sein. Bartholomew Rogers, auch bekannt als ‚Black Bart’, der für seinen scharlachroten Mantel bekannt war, war allerdings kein typischer Draufgänger – er hielt auf seinem Schiff Gottesdienste ab und trank statt Rum lieber Tee. Bart kaperte in seinem Leben mehr als 400 Schiffe, doch sein Mantel kostete ihn am Ende sein Leben – da er durch ihn zu einem gut sichtbaren Ziel wurde. Und so bestätigte sich seine Vorhersage: „Ein lustiges Leben und ein kurzes, das sei mein Motto.“ Sein bis heute bekanntestes Vermächtnis: die Flagge mit dem Totenkopf! Ein weiterer furchtloser walisischer Pirat war Captain Henry Morgan, nach welchem ein berühmter Rum benannt wurde. Besuchen Sie das alljährliche South Wales Pirate Festival, bei dem Piraten zum Leben erwachen, Schlachten nachgestellt und Getränke in einer Taverne aus dem 17. Jahrhundert ausgeschenkt werden.

Wenn Sie die Legenden des Motorsports faszinieren, sollten Sie zu den Pendine Sands in Carmarthenshire fahren. An diesem, einem der längsten Strände in Wales, wurden etliche Landgeschwindigkeitsrekorde aufgestellt und gebrochen. Genau hier hat 1925 der Rennsport-Draufgänger Sir Malcolm Campbell einen Rekord von 241 Stundenkilometer aufgestellt, den er anschließend noch zwei weitere Male an dem Strand brach. Der Waliser J. G. Parry-Thomas brach den Rekord auch, leider verstarb er aber bei dem letzten Versuch in seinem Gefährt ‚Babs‘. Im Museum of Speed können Sie sich ‚Babs‘ in ihrer restaurierten Schönheit ansehen und viel über diese legendären Sandrennen erfahren. 

An external shot of some beautiful old cottages on the banks of an estuary
Lower Fishguard, Pembrokeshire

Related stories