Portmeirion Village, im perfekten italienischen Stil erbaut, ist das Produkt der lebhaften Fantasie des einstigen Star-Architekten, Baumeisters und Paradiesvogels Sir Bertram Clough Williams-Ellis (1883-1979). Das Dorf thront malerisch auf einer kleinen Halbinsel, am sandigen Mündungstrichter des Flusses Dwyryd in die Tremadog Bay.

Bereits als junger Mann hatte Clough Williams-Ellis die fixe Idee, ein italienisch anmutendes Dorf mit bunten Fassaden, klassischen Kolonnaden, Brunnen und Statuen direkt am Meer zu erschaffen. Lange suchte er nach einem geeigneten Ort und ergriff letztendlich die naheliegendste Möglichkeit - er kaufte für £ 5.000 unweit seines Familiensitzes Plas Brondanw, eine Villa mit verwildertem Park auf einer Halbinsel. Über die Landzunge an der Küste des Snowdonia Nationalparks schrieb er damals: „Eine vernachlässigte und von Romantikern lange aufgegeben Wildnis, die zwar den einzigartigen Reiz und die Möglichkeiten dieser Gegend realisiert hatten, aber die sich durch die grandiose Landschaft hatten mitreißen lassen… in einen traurigen Bankrott.“

Portmeirion village showing colourful houses.
Snowdonia, Nordwales

Clough änderte umgehend den Namen von Aber Iâ (Gletschermündung) in Portmeirion: Port (Hafen), für seine Lage direkt an der Küste und Meirion, walisisch für Merioneth, die Grafschaft in der es liegt. Hier verwirklichte Sir Clough Williams-Ellis zwischen 1925 und 1976 seine Vision. Mit dem Bau des Dorfes wollte er aufzeigen, dass eine landschaftlich schöne Gegend bebaut werden kann, ohne zerstört zu werden.

Die Kulisse für sein Dorf stammt von überall her. Der Architekt sammelte förmlich Häuser, unterschiedlichste Baumaterialien wie Steine, Torbögen, Säulen, Fenster, schmiedeeiserne Tore und rettete auf diese Weise viele Gebäude vor dem Verfall. Die Häuser sind wie in einem Freilichtmuseum als Dorf angeordnet und werden als Ferienwohnungen und Appartements vermietet und stehen heute unter Denkmalschutz.

Mit den von Portofino inspirierten Häusern, dem Bell Tower – auch als Campanile bekannt -, den Ziergärten und Brunnen bildet die Piazza das Herzstück Portmeirions. Sir Clough Williams-Ellis war ein leidenschaftlicher Umweltschützer und 1928 Gründungsmitglied des Council for the Protection of Rural Wales und 20 Jahre dessen Präsident.

Image of people dancing wearing colourful clothes
Small metal ship statue at Portmeirion.
Portmeirion, Nordwales

Portmeirion ist kompakt, aber die geschickte Verwendung von Bögen, Fenstergrößen und Anordnungen der Häuser lässt es größer erscheinen als es ist. Der Rough Guide to Wales nennt es „ein wunderschönes visuelles Gedicht“. Skurrile Details füllen jeden Winkel des Dorfes und besonders abends hat der Ort seinen Reiz, wenn Ruhe einkehrt und die Übernachtungsgäste das Dorf für sich alleine haben.

Viele berühmte Künstler und Schauspieler waren von Portmeirion fasziniert, darunter H.G. Wells, George Bernard Shaw, Noël Coward, der Architekt Frank Lloyd Wright aber auch Gregory Peck, Ingrid Bergmann und Paul McCartney. In den 1960er Jahren mietete sich Brian Epstein, Manager der Beatles, häufige in den Sommermonaten in das Gate House ein und George Harrison feierte hier seinen 50. Geburtstag. 1966/67 wurde der Ort Kulisse für die TV-Kultserie The Prisoner (dt. Titel: Nummer 6).

Williams-Ellis hatte von Anfang an Portmeirion als Touristenziel entworfen und das  Hotel am Wasser als einen zentralen Punkt des Dorfes angesehen. Das 4-Sterne-Hotel liegt unterhalb des Ortes an der atemberaubend schönen Flussmündung mit Blick über feinsandige Strände auf die grünen Berge Snowdonias. Das einstige Herrenhaus von Aber Iâ aus dem Jahr 1850 verfügt heute über 14 stilvoll eingerichtete Zimmer, eine Bar, ein Gourmetrestaurant, mehrere Lounges und eine herrliche Terrasse.

Exterior of Hotel Portmeirion looking down the estuary.
Portmeirion, Nordwales

Im Ort selbst gibt es neben den Gästeunterkünften einen Aromatherapie-Spa, diverse Restaurants und Cafés sowie kleine Geschäfte und Läden, in denen man hübsche Erinnerungsstücke erwerben kann, darunter auch das berühmte Portmeirion Porzellan, das von Clough’s Tochter Susan Williams-Ellis (1918-2007) entworfen wurde. Die Designerin übernahm 1960 eine Töpferei in Stoke-on-Trent, die sie nach dem Dorf benannte.

 Umgeben ist der Ort von einem zehn Hektar großen Waldgebiet. In ihm gedeihen, Dank des milden Klimas, viele exotische Bäume und Pflanzen rund um einen See und kleine Teiche an chinesischen Tempeln, Pagoden, Pavillons und Brücken – darunter diverse Magnolienarten, ein Chilenischer Kerzenbaum, verschiedene Rhododendren-, Kamelien- und Azaleen-Arten, Mammutblatt und Farne. Und sogar ein Hundefriedhof ist im Wald angelegt.

Portmeirion erreicht man über eine kleine Waldstraße von Minffordd aus, am Porthmadog Bypass A487 gelegen. Bevor man zum Dorf gelangt sieht man zuerst Castell Deudraeth. Das markante und einstige viktorianische Herrenhaus im Stil einer Burg erbaut, mit hohen Türmen und Zinnen und einer eindrucksvollen Steinfassade, beheimatet heute ein modernes 4-Sterne-Hotel mit elf geräumigen Zimmern und Suiten, in denen unter andrem Gemälde aus der Privatsammlung von Susan Williams-Ellis zu sehen sind. Clough bezeichnete das Castell als „das größte und imposanteste Einzelgebäude auf dem Anwesen Portmeirions“.

Ffestiniog & Welsh Highland Railway

Fans historischer Dampfeisenbahnen wird das Herz hier höher schlagen. Zwischen Caernarfon an der Menai Strait und Blaenau Ffestiniog in den Bergen Snowdonias, verkehren regelmäßig die hübschen historischen Schmalspurbahnen mit Halt unter anderem in Porthmadog und Minffordd Station, nur 1,6 km von Portmeirion entfernt. Eine wunderschöne Art der Fortbewegung, um diese landschaftlich reizvolle Gegend zu erkunden und beispielsweise mit einem Besuch in Portmeirion zu krönen.

Ffestiniog Railway train at Dduallt.
Ffestiniog and Welsh Highland Railway

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