Musikalische Strände, 20.000 Heilige und ein walisischer Premierminister

Tosende Wellen, kreischende Möwen, spielende Kinder und dazwischen die gelegentlichen Rufe eines Seehundes: laut einer Umfrage von National Trust, National Trust for Scotland und British Library ist die Mischung an Küstengeräuschen am Strand Trwyn Llanbedrog auf der Halbinsel Llŷn die wohlklingendste in ganz Großbritannien.

Wer noch nicht überzeugt ist, dass die Strände der nordwalisischen Halbinsel über besonderes musikalisches Talent verfügen, der sollte der Bucht Porthor und den Whistling Sands (deutsch: pfeifender Sand) noch einen Besuch abstatten. Wenn man bei warmen Temperaturen über den feinen, trockenen Sand stampft oder schlurft und die von der Brandung besonders geformten Sandkörner aneinander reiben, entsteht ein deutlicher Pfeifton.

Der Strand Porthor (Whistling Sands)

Porthor (Whistling Sands)

Die Llŷn bietet allerdings nicht nur etwas für die Ohren: 80% der Küste sind als Gebiet von außerordentlicher Naturschönheit ausgezeichnet. Lange Sandstrände und raue Felsküste wechseln sich ab und natürlich führt hier auch der Wales Coast Path entlang. Der Abschnitt am westlichsten Zipfel besticht durch wilde Heidelandschaft und beeindruckende Ausblicke. Das ländliche Landesinnere bietet vor dem Panorama der Berge von Snowdonia vor allem viel Ruhe; geschäftige kleine Städtchen wie Abersoch oder Pwllheli findet man an der Südküste.

Schon vor Hunderten von Jahren kamen Menschen aus ganz Großbritannien zur Halbinsel Llŷn – allerdings waren die meisten davon auf der Durchreise. Im 6. Jahrhundert gründete der Mönch Saint Cadfan auf Bardsey Island vor der westlichen Spitze der Halbinsel ein Kloster, zu dem fortan Christen aus dem ganzen Land pilgerten. Da eine Reise nach Rom lang und gefährlich war und die Mittel der meisten Menschen überstieg, entschied der damalige Papst, dass drei Pilgerfahrten nach Bardsey einer Reise nach Italien gleichkamen und denselben spirituellen Wert besaßen. Jedoch war der Weg nach Bardsey nicht minder gefährlich, wie der walisische Name Ynys Elli (deutsch: Insel der Strömungen) erahnen lässt. Bardsey ist auch als Insel der 20.000 Heiligen bekannt – zweifelsohne hatte diese Legende ihren wahren Kern in den vielen Opfern, die die Überfahrt forderte. Der charmante Küstenort Aberdaron war traditionell der letzte Stopp auf dem Festland bevor die Pilger in See stachen und hier findet man auch heute noch den Pub Y Gegin Fawr, in dem die Pilger eine kostenlose Mahlzeit bekamen. Neben dem schönen Badestrand ist die Kirche des Dorfs, St Hywyn’s Church, einen Besuch wert.

Blick auf die St Hywyn's Church vor dem Strand von Aberdaron

St Hywyn's Church, Aberdaron

Heute sind von der St Mary’s Abtei auf Bardsey nur noch ein Glockenturm und ein paar keltische Steinkreuze übrig. Dafür ist die Insel ein Paradies für Seehunde und Meeresvögel. Es gibt zwei Ferienhäuser und von April bis Oktober werden von Aberdaron und Pwllheli täglich Bootstouren um und zur Insel angeboten.

Weitere Sehenswürdigkeiten in der Umgebung:

Criccieth Castle: in Sichtweite des Harlech Castle thront die Burg von Criccieth auf einer Klippe über der Stadt. Im Gegensatz zu Harlech ist dies keine englische Burg, denn sie wurde vom walisischen Prinzen Llywelyn the Great im Jahre 1239 in Auftrag gegeben.

Lloyd George Museum: Nur wenige Meilen von Criccieth entfernt befindet sich das kleine Dorf LLanstumdwy, Geburtsort und letzte Ruhestätte von David Lloyd George. Sein Kindheitszuhause ist heute ein Museum, in dem man mehr über das Leben des bislang einzigen walisischen Premierministers erfahren kann. Der urige Pub Tafarn Y Plu – The Feathers Inn genau gegenüber ist sehr zu empfehlen; in gemütlicher Atmosphäre kann man hier lokale Fischgerichte und eine große Auswahl an walisischem Ale und Cider genießen.

Plas Glyn-y-Weddw: Plas Glyn-y-Weddw ist ein beeindruckendes viktorianisch-gotisches Anwesen in Llanbedrog. 1896 kaufte Solomon Andrews, ein Unternehmer aus Cardiff, das Haus und eröffnete hier eine der ersten öffentlichen Kunstgalerien in Wales. Neben den permanenten Werken werden hier oft Ausstellungen gezeigt, die einen besonderen Bezug zu Wales haben.

Porthdinllaen: Das winzige malerische Dorf Porthdinllaen liegt direkt am Strand. Einst befand sich hier ein geschäftiger Hafen, der einzige an der Nordküste der Halbinsel. Heute könnte es nicht entspannter zugehen: eine wohltuende Ruhe geht von den Booten aus, die am Liegeplatz vor sich hin dümpeln. Mit den Füßen im Sand und einem kühlen Getränk aus der Ty Coch Inn in der Hand lässt es sich wunderbar abschalten. 

Der Strand von Portdinllaen und die Ty Coch Inn

Ty Coch Inn, Porthdinllaen