Coasteering, der etwas andere Wassersport

Skeptisch blicke ich vom Rand der Klippe in die weißen Schaumkronen der Wellen, die gefühlte hundert Meter unter mir gegen die Felsen donnern (eigentlich sind es nur 5m, wie mir unser wettergegerbter, immer-fröhlicher walisischer Gruppenleiter versichert). Meine Mitstreiter, eine Gruppe spanischer Abenteuerjournalisten und Mike aus dem PR Team paddeln schon vergnügt zwischen den Wellen und winken mir aufmunternd zu. Trotz Neoprenanzug ist mir nicht wirklich warm, und es fängt auch noch an zu nieseln, was mich nicht anspornt, meine Höhenangst zu überwinden. Schließlich springe ich dann doch – ich will ja im Büro nicht als Angsthase bekannt sein - und lande mit einem großen Platsch im Wasser. Ich habe nicht viel Zeit mich vom ersten Schock zu erholen, denn die anderen schwimmen schon zur nächsten Klippe und kraxeln über die Felsen. Unser Gruppenleiter kündigt an, dass wir nun zur ‚Waschmaschine’ kommen; eine Ausbuchtung, die so genannt wird, weil man von den Wellen regelrecht in alle Richtungen gespült wird. Klingt in meinen meerwasserverstopften Ohren nicht gerade verlockend, aber zum Umkehren ist es zu spät, denn die erste Welle reißt mich bereits mit. ‚Don’t fight it, enjoy’ ruft unser Guide noch und erstaunlicherweise macht mir ‚die Waschmaschine’ wirklich Spaß. Ausgestattet mit Helm und Schwimmweste ist es unmöglich, unterzugehen und so lasse ich mich einfach von der Strömung mitreißen, bis ich den nächsten Felsen erreiche und mich hochziehe. Nach weiteren 10 Minuten habe ich die Kälte vergessen; begeistert lasse ich mich von den Wellen tragen, erklimme rutschige Felsen, stürze mich Klippen hinunter und kann gar nicht genug davon bekommen.

Group of women coasteering on the Isle of Anglesey

Coasteering in Holyhead, Anglesey erstellt von drgillybean

Diese Mischung aus Schwimmen, Wellenreiten, Klippenklettern und Felsenhüpfen nennt sich Coasteering und wurde von Surfern in Pembrokeshire in Südwestwales erfunden. Dabei kann man die walisische Küste auf einmalige und adrenalintreibende Art aus nächster Nähe erkunden. Es klingt zwar gefährlich, allerdings kann in Begleitung erfahrener Gruppenleiter nicht viel passieren; Schwimmwesten, Neoprenanzüge und Helme sorgen für zusätzliche Sicherheit. Außerdem gilt das Prinzip ‚Jeder kann, keiner muss’, was meiner Höhenangst durchaus entgegenkommt, da ich die furchterregendsten Klippen einfach auslasse. Für die zwei waghalsigsten Adrenalinjunkies unter uns kann es dagegen gar nicht hoch genug sein; sie lassen sich sogar aus 12 m Höhe ins Wasser fallen. Anbieter findet man entlang der gesamten walisischen Küste, eine Liste gibt es hier.