Brecon Beacons und Ausflug nach Hay-on-Wye

Von Cardiff aus ist der Brecon Beacons Nationalpark am einfachsten zu erreichen; ungefähr eine Stunde dauert die Autofahrt. Schaut man dabei aus dem Fenster, kann man beobachten, wie sich die Landschaft plötzlich verändert. Die ‘Valleys’, wie die Umgebung um Cardiff genannt wird, sind durch die Industrialisierung stark gezeichnet. Hier boomte im 19. und 20. Jahrhundert der Kohleabbau. Passiert man die einstige Kohlehochburg Merthyr Tydfil, ändert sich der Anblick schlagartig: unberührte Natur, Berge und Heideland lösen die karge Landschaft der Valleys ab. Schafherden und wilde Bergponies grasen friedlich nebeneinander.
An den Brecon Beacons ging die Industrialisierung vorbei und das traditionelle landwirtschaftliche Leben blieb erhalten. Heute ist der Nationalpark ein Paradies für Wanderer und Vogelkundler. Zudem wurde er zum Lichtschutzgebiet erklärt, sodass hier ein Sternenhimmel zu bestaunen ist wie sonst nirgends in Großbritannien.

Star filled sky above Brecon Beacons National Park

Brecon Beacons National Park erstellt von Dave2142

Der Brecon Beacons Nationalpark umfasst vier Gebiete, die landschaftlich sehr unterschiedlich sind. Hochmoore und Gletscherseen zeichnen die Black Mountain Region aus, die Great Forest Region (walisisch: Fforest Fawr) ist für ihre reißenden Ströme und spektakulären Wasserfälle bekannt. Dann gibt es noch die Black Mountains (nicht zu verwechseln mit Black Mountain, Singular) und die eigentlichen Brecon Beacons, eine Reihe von markanten Gipfeln mit abgeflachten Höhen, die auch Pen y Fan, den höchsten Berg der Brecon Beacons, einschließen.

Heute bin ich mit dem PR Team unterwegs um neue, aufregende Unterkunftsmöglichkeiten und Attraktionen auszukundschaften. In den nordöstlichen Ausläufern der Brecon Beacons in der Nähe der Black Mountains liegt Hay on Wye, Ziel unserer heutigen Reise. Mir gefällt das malerische Marktstädtchen auf Anhieb, denn es ist nicht nur idealer Ausgangspunkt zur Erkundung der Brecon Beacons, sondern auch Großbritanniens Hauptstadt der Bücher. Hier gibt es zahlreiche alte Buchläden, die zum Verweilen einladen und jeden Sommer findet ein bekanntes Literaturfestival statt, das Schriftsteller und Literaturliebhaber aus aller Welt anlockt. Mit seinen Antiquariaten, quirligen Vintage Shops und traditionellen Pubs erinnert mich das Städtchen ein wenig an das Londoner Viertel Camden nur mit der malerischen Kulisse der Brecon Beacons im Hintergrund und ohne die Scharen von Touristen. Besonders begeistert mich auch der Besuch eines winzigen Kinos, das im hinteren Teil des Richard Booth’s Bookshop versteckt ist. Ein kleiner Raum in einem renovierten alten Steinhaus, mit einladenden roten Ledersesseln und schummrigem Licht – gemütlicher kann es nicht werden. In Hay-on-Wye ist die Welt noch in Ordnung. Hier funktionieren sogar sogenannte „Honesty Shops“, die ausschließlich auf Großzügigkeit basieren. Man zahlt für die Ware nach eigenem Ermessen und der Erlös geht an wohltätige Zwecke.

Hay Festival

Hay Festival, Powys, Mid Wales

Wer in Hay-on-Wye und Umgebung übernachten möchte, hat die Qual der Wahl, wie wir bei unseren Besichtigungen feststellen. Zum Beispiel kann man im Stadtzentrum im „The Bear“ - B&B in einem denkmalgeschützten Haus aus dem 16. Jahrhundert nächtigen. Oder alternativ ein paar Meilen außerhalb abseits von jeglichem Lärm in geschmackvoll eingerichteten Schäferhütten inmitten der grünen Hügel der Black Mountains; Holzofen, Feuerstelle mit Grill, murmelnder Bach und blökende Schafe inklusive. Das Bunkouse in einer umgewandelten Kapelle bietet alles, was das Abenteurerherz begehrt: im Untergeschoss ein Fahrrad- und Kanuzentrum mit direktem Zugang zum Fluss, im Obergeschoss eine stylische Lounge mit angrenzendem Schlafsaal. Das Beste: wem die Treppe von einem Stockwerk ins andere zu langweilig ist, der nimmt einfach die Rutsche.

Wir können leider nicht über Nacht bleiben und müssen uns abends wieder schweren Herzens auf den Heimweg machen.