Der Wales Küstenpfad– Halbinsel Lleyn 

Der Reiseschriftsteller David Atkinson nimmt den Wales Küstenpfad entlang der Nordküste der Halbinsel Lleyn mit einer Tageswanderung von Trefor nach Nefyn in Angriff.

Eine moderne Pilgerreise

Travel writer David Atkinson sitting in front of Bardsey Church

Bardsey Church, Llyn Peninsula erstellt von atkinson.david

Ich bin nicht zum Pilger geschaffen.

Ich besitze kein Bußgewand. Auf der Wanderung entlang des Wales Küstenpfades an der Nordküste der  Halbinsel Lleyn fühle ich etwas wie eine Bekehrung.

„Wandern ist eine moderne Pilgerreise“, sagt mein Wanderführer Peter Hewlett über den Edge of Wales Walk. „Wir wandern, um ein höheres Ziel zu erreichen. Nicht um uns über die Gasrechnung Sorgen zu machen.“

Die Halbinsel Lleyn war während der Hochzeit des 14. Jahrhunderts ein Eckstein der Pilgerreise durch Nordwales. Der Papst erklärte, dass drei Reisen zur  Insel Bardsey, der heiligen Insel vor der westlichen Spitze der Halbinsel, so viel Wert wie eine nach Rom seien. In den vergangenen Jahren wurde die Pilgerroute wieder vermehrt gewählt. Dieses Mal werden jedoch Fleece und Wanderstiefel anstelle von Sandalen getragen. Wir sind alle auf der Suche nach einem Ort zum Nachdenken und tief durchatmen.

RS Thomas, der ehemalige Poet und Priester von Aberdaron, sah es kommen. Er schrieb in seinem Gedicht, The Moon in Lleyn (Der Mond in Lleyn):

In Städten, die ihrem Versprechen entwachsen sind
Werden die Menschen wieder zu Pilgern
Wenn nicht zu seinem Ort,
Dann zu dessen Neuschaffung
In ihrem eigenen Geist

Von Trefor nach Nefyn

Porth Dinllaen, Llyn Peninsula

Porth Dinllaen, Llŷn Peninsula, Snowdonia

Auf der Tageswanderung von Trefor nach Nefy kamen die Heiligen zum ersten Mal zu mir. Ich konnte sie riechen, meine Nasenflügel bebten, als ich die knarrende Holztüre der Kirche von Pistyll öffnete.

Die Kapelle aus dem 12. Jahrhundert, wo Schilfrohre die Seitenschiffe mit einem duftenden Teppich bedecken, war der Haupterholungsort auf der alten Route nach Bardsey. Es wachsen immer noch Kräuter und Heilpflanzen in der Nähe des Wasserfalls hinter dem Friedhof.

Ich saß unter ihnen, mit gelben Osterglocken zu meinen Füssen, und atmete das heilende Aroma des Frühlings ein.

Beim Weitergehen entlang eines Pfads entlang der Küste durch Heiden und Weiden mit grasenden Schafen fühlte ich, wie sich mein Geist klarte, meine Atmung vertiefte.

Bardsey Island

„Die Menschen sprechen immer noch über Pilgerreisen, wenn sie über Bardsey sprechen“, sagt der Fährmann von Bardsey, Colin Evans. „Der Abstand vom geschäftigen modernen Leben ist ein heilsamer Vorgang“, fügt er hinzu.

Colin führt jedes Jahr rund 2 000 Menschen auf die winzige Insel über. Am nächsten Morgen nahm er mich, winkend und erwartend, in einem kanariengelben 12-Plätzer in Empfang. Es erwartete mich ein Willkommenskomitee der Tierwelt: Papagaitaucher und graue Seelöwen, die sich am Uferland aalen. Der Pfad führte zum Kloster St. Mary, wo eine verwitterte Widmung für die 20 000 Seelen, die in der Nähe begraben sind, in das keltische Kreuz eingeätzt ist.

Ich konnte die alten Heiligen um mich herum fühlen. Ich wollte jedoch kein einfaches Ticket zum ewigen Shangri-La lösen. Ich wollte mich nur einem Moment der Ruhe hingeben.

Endlich verstand ich. Vielleicht bin ich doch kein so schlechter Pilger.