Der Wales Küstenpfad – Ceredigion

Der Reiseautor David Atkinson nimmt den Wales Küstenpfad in Ceredigion in Angriff, eine 8 Kilometer lange Wanderung von Aberystwyth nach Borth.

Eine walisische Volkslegende

Am Ende von Jack Eversheds Garten befindet sich der Zeuge einer walisischen Volkslegende.

Der Bauer des Wallog Gutshofs lebt in der Nähe von Sarn Gynfelyn, dem Gletscherdamm, der in die Cardigan Bay hineinragt. Dies ist der Legende nach das Tor zum Fabel-Unterwasser-Königreich von Cantre’r Gwaelod.

Die Sage erzählt von einer Gemeinschaft in 16 Ansiedlungen auf einer fruchtbaren Ebene, die während dem Läuten der Glocken ans Meer verloren gingen.

Wales Coast Path sign on the Ceredigion coast

Wales Coast Path erstellt von i_am_mr_seddars

„Als wir als Kinder auf dem Damm spielten, pflegen wir einander zu necken und gaben vor, die Glocken zu hören, “, erzählt Jack, während die Hühner rund um den Hof gackerten, unbeirrt der Wunder der einheimischen Mythologie direkt vor ihrer Haustür.

„Ich höre die Glocken nicht mehr“, sagt er, „vielleicht weil ich mit Lammen beschäftigt bin.“

Der Wächter von Cantre’r Gwaelod, Seithennin, wurde damit beauftragt, bei hoher Flut die Schleusentore zu schließen, um das Reich von König Gwyddno vor dem Meer zu schützen. In einer verhängnisvollen Nacht vernachlässigte er seine Pflicht, er war zu sehr damit beschäftigt zu trinken und zu versuchen, die Tochter des Königs an einem Festmahl zu umwerben.

Die Gemeinschaft ging trotz Warnungen der Bürger vor der Flut durch das Läuten der Wachturmglocke an das Meer verloren.

„Die Romantik der Legende wurde seit der Schulzeit in mein Gedächtnis eingeprägt“, sagt Nigel Nicholas, Ranger für die Küste und ländliche Gegend im Auftrag der Bezirksgemeinde Ceredigion. „Ich lese sie nun mit meiner 7-jährigen Tochter Priya.“

Von Aberystwyth nach Borth

Nigel wandert mit mir an einem nebeligen Tag auf dem Ceredigion-Abschnitt des Wales Küstenpfads, einer 8 Kilometer langen Wanderung von Aberystwyth nach Borth.

Constitution Hill

Constitution Hill, Aberystwyth, Ceredigion

Nach einem anfänglich steilen Aufstieg zum Constitution Hill folgen wir einem sanft hügeligen Pfad, der größtenteils über raue, grasbewachsende Weiden und steil in die felsigen Säulen, die vom Wellengang des darunter liegenden Gezeitenstrandes ausgewaschen wurden, führt.

Einheimische nistende Alpendohlen ziehen vorüber und gelb gepunktete Primeln künden Vorfrühlings-Geschehen an.

Der Pfad führt uns zur Strandgemeinde Borth, wo bei Ebbe knorrige Äste aus der Unterwelt hervorschauen.

Submerged Forest, Borth beach

Submerged Forest, Borth beach, Ceredigion

Der verschüttete Wald mit 4000 Jahre alten Eichen, Tannen und Birken erstreckt sich nördlich nach Ynyslas am Tor des nationalen Naturreservats Dyfi.

Wir stehen am Strand, während die Äste einer in Torf erhaltenen schwarzen Mooreiche ihre verzweifelten Greifarme wie von einem Fegefeuer unter Wasser nach einem Leben greifend ausstrecken.

Wir lauschen. Keine Glocken, keine Schreie, nur das Wispern einer vergangenen Gemeinschaft, die im Meer verloren ging. Und die Worte des Gedichts von J. J. Williams, The Bells of Cantre’r Gwaelod (Die Glocken von Cantrer Gwaelod), klingen in meinen Ohren.

Und als die Ruhe des Sandes bei mir bleibt bis ich schlafe läuten die Glocken von Cantre‘r Gwaelod in der Tiefe.

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