Küstenpfad: Aufstieg zum walisischen Everest

Der Pembrokeshire Coast Path National Trail windet sich durch die atemberaubendste Küstenlandschaft Großbritanniens. Natürlich müssen Sie nicht die gesamte Strecke auf einmal bewältigen. Das ist allerdings durchaus möglich, wie Amiel Price 2013 bewies.

2013 erwanderte Amiel Price die gesamte Strecke des Pembrokeshire Coast Path National Trail in nur zwei Wochen. Ganze 300 km und 10.000 Meter Auf- und Abstiege. Es ist kein Wunder, dass dieser Pfad oft mit einem Aufstieg auf den Mount Everest verglichen wird...

Ein erinnerungswürdiger Geburtstag

View of Amroth beach

View of Amroth beach, Pembrokeshire

Meine Freundin Jane wollte anlässlich ihres 50. Geburtstags etwas Besonderes unternehmen, und ich war die einzige Verrückte, die sich bereit erklärte, die gesamte Strecke des Pembrokeshire Coast Path mit ihr zu wandern. Wir brauchten zwei Wochen; im Durchschnitt liefen wir etwa 20 km pro Tag. Ausgangspunkt unserer Wanderung war Amroth. Am meisten graute es uns vor dem letzten, 24 km langen Abschnitt von Newport Sands nach St Dogmael’s, welcher als der schwierigste des gesamten Wanderwegs gilt. Aber letztendlich war das letzte Stück ein Kinderspiel, da wir in den vergangenen zwei Wochen jeden Tag fitter geworden waren. 

Ein Tierparadies

Baby seal near Skomer in Pembrokeshire

Baby seal near Skomer, Pembrokeshire 

 erstellt von Teracy

Wir hatten Glück, denn das Wetter war fantastisch. Wir machten die Wanderung Ende Juli, Anfang August und wir liefen durch Schwärme von Schmetterlingen. An einem warmen Morgen saßen so viele auf dem Weg vor uns, dass wir sie ständig mit unseren Wanderstöcken verscheuchen mussten, um nicht auf sie zu treten. Wir konnten viele Tiere beobachten – Vögel natürlich, aber nördlich von St Davids auch Robben. Anfangs hörten wir nur ihre Schreie, die zwischen den Felsen widerhallten, später konnten wir ihnen auch beim Schwimmen und Sonnenbaden zusehen. Eigentlich dachten wir, wir würden viele Schlangen sehen, aber nur eine Natter kreuzte unseren Pfad.

Tagesausflügler

Wir begegneten weniger Menschen als erwartet. Ein paar Tagesausflügler waren unterwegs und Einheimische gingen mit ihren Hunden spazieren, aber nur wenige wanderten wie wir die gesamte Strecke. In der Regel erkannten wir sie an den großen Rucksäcken und Zelten, die sie mit sich trugen. Wir trafen einen Deutschen, der ganz allein mit seinem Zelt auf dem Rücken wanderte und Fotos von den Schmetterlingen machte. Er war gerade in den Ruhestand gegangen und war auf dem Weg von Swansea nach Aberystwyth. Er konnte sich also alle Zeit der Welt lassen. Er war vollkommen begeistert von der Vielfalt der Küstenlandschaft.

Buchten und sturmgepeitschte Kieselstrände...

Die Highlights

Coasteers jumping off a cliff at Abereiddy's Blue Lagoon

Coasteers at Blue Lagoon, Abereiddy in Pembrokeshire

 erstellt von ALAMO2008

So viele! Am besten gefielen mir die abgeschiedenen Streckenabschnitte um St Davids. Dort gibt es viele versteckte Buchten und sturmgepeitschte Kieselstrände, an denen man wirklich allein ist. In Abereiddy verkaufte eine Frau Getränke und Snacks aus ihrem Van. Als wir dort ankamen, aßen wir ein zweites Frühstück und genossen eine Tasse Kaffee direkt am Strand! Wir beobachteten Coasteering an der Blue Lagoon und in Cwm yr Eglwys wurden wir beim Mittagessen zufällig Zuschauer einer Ruderregatta.

Geologen lieben diese Gegend…die verschiedenen Gesteinsschichten, die Anti- und Synklinalen...

Der Witches’ Cauldron (Pwll y Wrach) auf dem Weg zum Cemmaes Head ist atemberaubend. Er ist aus einer zusammengefallenen Höhle entstanden und der Pfad führt über den Bogengang. Ein paar Kanufahrer sind unter unseren Füßen in das Becken gepaddelt, was sehr spannend war. Geologen lieben diese Gegend aufgrund der verschiedenen Gesteinsschichten, der Anti- und Synklinalen, wo man die Faltung der Gesteine an den steilen Klippen sehen kann.

Von A nach B kommen

Jane Caley sitting down on a section of Coast Path overlooking the sea

Jane Caley on a section of the Pembrokeshire Coast Path erstellt von Amiel Price

Janes Mann Malcom und ihre drei Söhne waren eine große Hilfe. Wir übernachteten auf drei verschiedenen Campingplätzen an der Küste, und am Abend kochte Malcolm uns das Abendessen oder wir gingen in den Pub. Wir hatten zwei Autos und ließen mein Auto in der Regel am Ende des jeweiligen Abschnitts stehen, sodass niemand auf uns warten musste.

Für die Wandermuffel

View of Newgale beach

View of Newgale Beach in Pembrokeshire erstellt von Visit Pembrokeshire

Malcolm hatte Angelausflüge und Reittouren für die Jungs organisiert, die außerdem ihre aufblasbaren Kanus mitgebracht hatten. Am besten gefiel ihnen allerdings der Hubschrauberflug. Sie hatten gehofft, uns zu überfliegen, wollten aber auch das Pembroke Castle von oben sehen, und zu diesem Zeitpunkt waren wir bereits hinter Newgale. An diesem Abend waren sie besonders beeindruckt davon, wie weit wir gelaufen waren - nachdem sie die Strecke von oben gesehen hatten!

Wenn Sie den gesamten Pembrokeshire Coast Path gelaufen sind, haben Sie höhenmäßig die gleiche Strecke wie bis zur Spitze des Everest zurückgelegt.

Das große Finale

Amiel Price and Jane Caley celebrating with champagne

Friends Amiel Price and Jane Caley celebrating the end of their 186-mile hike, near St Dogmaels erstellt von Amiel Price

Die Jungs empfingen uns in St Dogmaels mit einer Flasche Champagner. Wenn Sie den gesamten Pembrokeshire Coast Path gelaufen sind, haben Sie höhenmäßig die gleiche Strecke wie bis zur Spitze des Everest zurückgelegt. Das sage ich immer - ich hab den Everest erklommen! Es ist wundervoll, solch eine Erfahrung zu teilen - sowohl den Schmerz als auch die Freude - und sich immer daran zu erinnern.

Wagen Sie sich an den „Walisischen Everest“?

Boats at Porthclais harbour in Pembrokeshire

Porthclais harbour, Pembrokeshire erstellt von Visit Pembrokeshire

Der Pembrokeshire Coast Path National Trail ist einer der spektakulärsten Wanderwege Großbritanniens. Viele Wanderer sind jedoch so sehr darauf konzentriert, ihr Ziel zu erreichen, dass Sie die vielen wahren Schätze auf dem Weg übersehen. Sicher, Sie laufen durch wunderschöne Hafenstädte – Tenby, Saundersfoot, Fishguard, Parrog.

Wir empfehlen Ihnen jedoch unbedingt, einen kleinen Umweg (Was sind schon zwei Kilometer?) zur Kathedralenstadt St Davids einzulegen. Wenn der Pfad nach unten in Richtung Porthclais führt, einem kleinen – und atemberaubend schönen - Hafen, in dem der Fluss Alun ins Meer fließt, dann wissen Sie, dass Sie nicht weit entfernt sind. Die ältesten Teile der Hafenmauer stammen von den Römern, die meisten Teile sind jedoch nur 900 Jahre alt, da die Mauer später zur Einfuhr von Holz und Kohle verstärkt wurde.

Wir liefen durch Schwärme von Schmetterlingen...Anfangs hörten wir nur die Schreie der Robben, die zwischen den Felsen widerhallten, später konnten wir ihnen auch beim Schwimmen und Sonnenbaden zusehen...

Folgen Sie dem Pfad für etwa einen Kilometer und vor Ihnen wird bald der honigfarbene Turm der Kathedrale von St Davids auftauchen. Sie wurde im 12. Jahrhundert auf dem Gelände eines ehemaligen Klosters erbaut, welches 700 Jahre zuvor von unserem Schutzherren gegründet worden war. Auch die angrenzenden Ruinen des prachtvollen Bishop’s Palace können sich sehen lassen - insbesondere, wenn Sie als Kulisse für eine Freilichtbühne dienen.