Wir haben einen Bear in den Beacons überlebt: Überlebensabenteuer mit der ganzen Familie

Im Schlafzimmer meiner 8-jährigen Tochter hängt ein Bild von Bear Grylls, was mich etwas ärgert. Es gibt keines von mir. Sie hat jede einzelne seiner Fernsehsendungen gesehen, in denen er in der Wildnis herumrennt, irgendwelchen Viechern den Kopf abbeißt und in voller Montur eiskalte reißende Gebirgsbäche durchquert.

Überleben wie eine 8-jährige

Bear Grylls Survival Course, Brecon Beacons

Bear Grylls Survival Course, Brecon Beacons

 erstellt von Rafał Maciejczyk

Und nun hat die Bear Grylls Survival Academy im spektakulären Land der Wasserfälle des Brecon Beacons Nationalparks ein Lager errichtet. Dort wird ein 24-Stunden-Spezialkurs für Eltern und Kinder angeboten. Nun, das müssen wir ausprobieren, nicht wahr?

Wir kommen an einem stürmischen Aprilmorgen am Gemeindehaus von Pontneddfechan an, von wo fünf Erwachsene und ihre Sprösslinge in die Wildnis aufbrechen werden um die ganze Palette an Überlebenstechniken zu erlernen. Wir befürchten, dass dies auch das Durchqueren von eiskalten Wildbächen in Unterwäsche einschließt.

Unsere Mitabenteurer kommen aus London und den Grafschaften um London; ihre Kinder sind zwischen 8 und 12 Jahren. Unsere Ausbilder sind freundliche einheimische Jungs unter der Leitung von Jeff, einem zähen ehemaligen Mitglied des Royal Marine-Kommandos, der stahlhart erscheint.

Das Land der Wasserfälle durchqueren

Zip line at the Bear Grylls Survival Course, Brecon Beacons

Zip line at the Bear Grylls Survival Course, Brecon Beacons

 erstellt von Rafał Maciejczyk

Wir werden in Bear Grylls Überlebensausrüstung eingekleidet und los geht‘s in den Wald entlang des sprudelnden Wassers des Nedd Fechan oder Neath River. Und tatsächlich, es dauert nicht lang, da erscheint schon der erste von vielen Wasserfällen. Er ist so schön, dass man das Seil, das unheilvoll quer über dem Abgrund hängt, kaum bemerkt. Wir hängen uns nacheinander ein und schwingen uns dann 10 Meter über den Stromschnellen in die Luft. Und das ist nur das erste Hindernis, das wir in den nächsten 24 Stunden zu bewältigen haben.

Wieder unten am Fluss wird uns gezeigt, wie Wasser in unsere Behälter gefiltert wird, das wir später aufbereiten werden. Und dann gibt es eine Lektion im Sammeln von essbaren Köstlichkeiten, die reichlich auf dem reichhaltigen Talboden zu finden sind. Wir sammeln wilden Knoblauch für unser Abendessen, knabbern an Sauerklee und Weißdornblättern. Nachdem wir genügend Grünfutter gesammelt haben, geht es weiter am Fluss entlang, wo Wasseramseln und Bachstelzen zwischen den Felsen hin und her flitzen. 

Ein Hoch auf die Käfer!

Eating meal worms on the Bear Grylls Survival Course, Brecon Beacons

Eating meal worms on the Bear Grylls Survival Course, Brecon Beacons

 erstellt von Rafał Maciejczyk

Ausbilder Owen will gerade über den verfaulten Kadaver eines umgefallenen Baumes springen, da gebietet er uns plötzlich Einhalt. “Da haben wir ja einen echten Glückstreffer“, sagt er, während er etwas von der zerfallenen Rinde abschält. Sie ist von Mehlwürmern, einer wimmelnden Masse von Käferlarven, durchlöchert. „Wer will eine versuchen?“ Kinderhände schießen in die Höhe. Hmm. Sie sind eigentlich nicht so schlimm, wie sie aussehen. Gerade mal eine Stunde auf Abenteuer, und schon verwandeln wir uns in etwas anderes, etwas, das anders ist als unser gewohntes urbanes Selbst.

Ein Lager aufschlagen

Shelter building on the Bear Grylls Survival Course, Brecon Beacons

Shelter building on the Bear Grylls Survival Course, Brecon Beacons

 erstellt von Rafał Maciejczyk

Weitere Seilabenteuer folgen, bis wir aus der Schlucht zu unserem Lager klettern. Es sieht jedoch ganz anders aus als andere Lager, die ich bisher gesehen habe. Es ist ein hochgelegenes Feld, sumpfig und verlassen. Es gibt hier nichts außer ein paar knorrigen Bäumen und einigen grob abgesägten Baumstämmen. Wir werden mit drei Zeltplanen und einer Rolle Fallschirmleine ausgerüstet, um innerhalb einer Stunde einen trockenen Unterschlumpf zum Schlafen zu schaffen. Los! Es wird viel gesägt, geschwitzt, geflucht und geknotet, wir haben jedoch schlussendlich drei Strukturen, die schwach an einen Unterschlumpf erinnern.

Wir werden dann beim unteren Sumpf zusammengerufen, wo wir eine Lektion im Knoten und Umgang mit Messern erhalten, bevor wir das umgebende Waldgebiet nach Holz absuchen, um vor dem Abendessen ein Feuer anzufachen. Auf der Speisekarte am Abend: ein Eintopf mit Hühnerbein auf dem Feuer mit gehacktem Gemüse und gesammeltem Grünzeug, ein Gourmetmenü, wenn man so hungrig ist.

Schlafen unter den Sternen

Time for bed on the Bear Grylls Survival Course, Brecon Beacons

Time for bed on the Bear Grylls Survival Course, Brecon Beacons

 erstellt von Rafał Maciejczyk

Es ist zehn Uhr abends und bereits stockdunkel, und nach einer kurzen Lektion über das Orientieren nach Sternen ist es Schlafenszeit. Wir ziehen uns in unseren Unterschlupf zurück und machen es den Kindern so bequem wie möglich, auch wenn sie effektiv in einem kalten Moor mit einigen wenigen Mikrometer Nylon und einigen Farnen zum Schutz schlafen.

Wir liegen in totaler Dunkelheit und lauschen den Geräuschen der Brecon Beacons in einer Regennacht. Schafe blöken. Der Wind schüttelt die Bäume. Die kleineren Kinder lachen und quasseln ohne Ende in ihrem Unterschlupf. Jemand schnarcht leise.

Ich gähne, sinke tief in meinen Schlafsack, verwünsche Bear Grylls Namen und kann den Morgen kaum erwarten. Das nächste, an das ich mich erinnern kann, ist das Geräusch eines Quads eines Bauern in der Ferne. Eigenartig. Ich strecke meinen Kopf aus dem Schlafsack und werde mit einem Sonnenstrahl begrüßt.

Nach einem Truppenverpflegungs-Frühstück gibt uns Jeff eine Lektion im Stellen von Fallen und Schlingen, bevor wir unsere Rucksäcke anschnallen und uns auf das letzte Wegstück unseres Ausflugs begeben. Ein Kuckuck ruft aus dem Wald, als wir das sumpfige Feld überqueren bis zu einem Moor in östlicher Richtung.

Das Beste kommt zuletzt...

Gorge walking at the Bear Grylls Survival Course, Brecon Beacons

Gorge walking at the Bear Grylls Survival Course, Brecon Beacons

 erstellt von Rafał Maciejczyk

Es sind nur noch drei Stunden und wir alle spüren, dass das Wochenende die Vorbereitung zu etwas besonderem war. Als wir in die tiefe Schlucht des Flusses Mellte abseilen, wartet auf uns ein verdächtiger Stapel mit Schwimmausrüstungen. Die gute Nachricht ist, dass wir uns nicht bis auf die Unterwäsche ausziehen müssen, um den Fluss zu überqueren. Nein. Wir tun dies vollständig angezogen.

Wir waten im knietiefen eiskalten Wasser bis zu einer Felsplatte hinaus, bis es in braune, schnell-fließende Tiefen fällt. Bereit? Tief durchatmen. Los! Wir werfen unsere Rucksäcke vor uns in die Tiefe und machen einen Bauchklatscher ins Wasser. Oh, das ist kalt. Wir strampeln kräftig mit unseren schweren Wanderschuhen und bewegen uns vorwärts zur anderen Seite, wo wir keuchend und durchnässt aus dem Wasser herauskommen. Das war das Schlimmste - und eigenartigerweise das Beste - was wir am Wochenende unternommen haben.

Als wir etwas mehr als 24 Stunden später nach Beginn unseres Ausflugs bei einem Bunkhouse ankommen, sind wir erschöpft, aber freudig erregt. Wir haben überlebt. Eigentlich mehr als das - wir hatten jede Menge Spaß! 

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