Roald Dahls Wales

Der Autor von Geschichten wie Charlie und die Schokoladenfabrik, Sophiechen und der Riese und Matilda wurde 1916 in der walisischen Hauptstadt Cardiff geboren. Hundert Jahre später nehmen wir die Orte in Wales unter die Lupe, die ihn prägten und inspirierten.

Ein Süßwarenladen und eine Kathedrale

Dahl verbrachte seine frühe Kindheit im Stadtteil Llandaff. Ab Herbst 1923 besuchte er die Llandaff Cathedral School im Schatten der mächtigen gotischen Kathedrale. Hier entwickelte er mit nur sieben Jahren seinen ausgeprägten Sinn für Unfug, während er die Kaubonbons und Brauselutscher im Schaufenster des Süßwarenladens in der Hauptstraße betrachtete. Eine blaue Tafel markiert heute das Haus, in dem sich das Geschäft befand.

In seiner ersten Autobiografie Boy: Tales of Childhood erinnert sich Dahl an einen legendären Streich: Um der miesepetrigen Besitzerin einen Schreck einzujagen, versteckte er eine tote Maus in einem Topf voller Lollis. „Mrs Pratchett", schreibt er, „war eine kleine, dürre, alte Hexe mit einem Schnurrbart auf ihrer Oberlippe."

Der Plan funktionierte perfekt...bis Mrs Pratchett die Jungs beim Schulleiter verpetzte und Dahl mit einer Tracht Prügel bestraft wurde.

Home is where the heart is 

Cardiff spielte in Dahls Kindheit eine große Rolle. Sein Vater, der ursprünglich aus Oslo stammte, zog in die walisische Hauptstadt, um sein Glück im Kohle- und Eisenboom des späten 19. Jahrhunderts zu suchen. Die Familie besuchte regelmäßig die nahegelegene Norwegische Kirche, die 1868 von der Norwegischen Seemannsmission gegründet wurde. Hier wurde 1916 auch der kleine Roald getauft. Heute befindet sich in der weißen Holzkirche in der Cardiff Bay ein Kunstzentrum und das benachbarte Hafenbecken wurde in Erinnerung an den herausragenden Autor in Roald Dahl Plass umbenannt.

Norwegische Kirche, Cardiff Bay

Norwegische Kirche, Cardiff Bay

 Mit neun Jahren brach Roald Dahl von den Cardiff Docks zu einem Internat in Weston-super-Mare in Somerset auf. Er reiste auf einem alten Dampfschiff und hatte furchtbares Heimweh nach seinem Zuhause und seiner Familie in Wales. Während seinem ersten Jahr täuschte er eine höchst realistische Blinddarmentzündung vor und wurde über den Bristol Channel nach Hause geschickt. Aber selbst der Meister im Geschichtenerzählen kam nicht immer mit allem durch: ein netter Doktor ließ ihn ein paar Tage zu Hause, bevor er ihn zurück in die Schule schickte. 

Ferien und Eselritte

Die Osterferien verbrachte die Familie für gewöhnlich im eleganten Hafenstädtchen Tenby in Pembrokeshire im Ferienhaus The Cabin. In My Year, dem Tagebuch, das Dahl während seines letzten Lebensjahres führte, erzählt Dahl von Strandritten auf Eseln und Schneckensuchen im Sand. Der obligatorische Urlaub in Tenby war eine Tradition, die Dahl mit seinen eigenen Kindern fortsetzte. In einem Brief aus dem Jahr 1933 schreibt er „Osterferien sind keine Osterferien ohne Tenby." Das denkmalgeschützte Haus befindet sich immer noch im Besitz der Familie Dahl und kann als Ferienhaus gemietet werden.

Die Musik der Poesie 

Auch in Laugharne in Carmarthenshire machte Dahl Urlaub. Dort besuchte er dir Schreibstube des walisischen Dichters Dylan Thomas, die einen beeindruckenden Ausblick auf die Mündung des Flusses Taf bietet. Vielleicht hat ihn der kleine Schuppen dazu inspiriert, sein eigenes Schreibhäuschen in seinem Zuhause in Great Missenden in Buckinghamshire zu bauen. Dahl war ein großer Bewunderer von Dylan Thomas. In einem Interview aus dem Jahr 1970 verriet Dahl, dass eine Lesung von Dylan Thomas eines der schönsten Dinge wäre, die er je gehört hätte. Thomas' Gedicht In Country Sleep kommt sogar in Dahls Geschichte Matilda vor. Als die kleine Matilda ihre Lehrerin Miss Honey zum Tee nach Hause begleitet, halten die beiden am Gartentor inne und Miss Honey erzählt ihr: „Ein Dichter namens Dylan Thomas schrieb einst ein paar Zeilen, die mir jedes Mal durch den Kopf gehen, wenn ich diesen Pfad entlang laufe", bevor sie die erste Strophe aufsagt. „Never and never, my girl riding far and near / In the land of the hearthstone tales, and spelled asleep." Matilda flüstert, „Das klingt wie Musik." Miss Honey antwortet, „Es ist Musik."